Olaf Bockhorn, Herbert Nikitsch,... die venia legendi für» Volkskunde<< erteilt...
Hier, an der See, erfuhr er vom Erscheinen der Buchausgabe, 20 die so-mit» das Licht einer recht übelwollender Welt erblickt[ hatte]«.21 DieFreude darüber war, so Schmidt 40 Jahre später, getrübt:» Ich habemit vieler Mühe das Buch allmählich zum Druck befördert, aber eswurde von den nationalsozialistischen Zensoren verstümmelt, sehrschlecht ediert, und hat nicht die Wirkung erreicht, die es eigentlichhätte haben müssen«.22 Wie und wo diese» Verstümmelungen« erfolgtwaren, lässt sich leider nicht feststellen, denn das Manuskript von 1935( in das von Schmidt» nachträgliche Erkenntnisse und manche stoffli-che Erweiterungen« eingearbeitet worden waren²³) ist nicht zugäng-lich. Möglich, dass eine Anmerkung wie» Jude« hinter dem Namenvon Heinrich Friedjung nicht von Schmidt stammt; auch die Formu-lierung» Verwirklichung der Volksgemeinschaft durch den National-sozialismus«< klingt nicht nach ihm. 24 Störend hatte er wohl auch dieGeleitworte von Arthur Haberlandt empfunden, in denen u. a. von derbefreienden Tat des Nationalsozialismus im März 1938 die Rede ist. 25Insgesamt aber hat man bei der Lektüre nicht den Eindruck parteipoli-tisch gefärbter Eingriffe.
Es müssen in dieser Zeit durchaus Kontakte zu Spamer bestan-den haben, denn es ist unwahrscheinlich, dass Schmidt mitten im Kriegohne dessen Zuspruch an eine Habilitation, die Vorlage seiner» Wie-ner Volkskunde« und letztlich die erste Anfrage vom 21.10.1941 ge-dacht hätte.» Von den Reichsdeutschen[ gemeint waren volkskundlicheKollegen] war mir der große Adolf Spamer verbunden geblieben; beiihm konnte ich mitten im Krieg meine Wiener Volkskunde als Habi-litationsschrift einreichen. Ich tat es weniger, um damit einen direktenZweck zu verbinden, was bei einem Angehörigen der Fronttruppe so-wieso ausgeschlossen war, als um mich meines dort irgendwo im Frie-densland vergrabenen eigenen Lebens zu versichern. Und dann nicht
20 Leopold Schmidt: Wiener Volkskunde. Ein Aufriẞ(= Wiener Zeitschrift für Volks-kunde, Ergänzungsband 16). Wien, Leipzig 1940.
222
Schmidt, Curriculum vitae( wie Anm. 1), S. 57.
21
22
Wie Anm. 21, S. 46.
23
Schmidt, Wiener Volkskunde( wie Anm. 20), S. 9.
24 Wie Anm. 23, S. 17, Anm. 4( bei anderen Autoren- Felix Salten, Moritz Saphir-fehlt dieser» Hinweis<<); S. 125.
25
Arthur Haberlandt: Zum Geleit. In: Schmidt, Wiener Volkskunde( wie Anm. 20),
S. 7.
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