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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVI/ 115, 2012, Heft 1+ 2
zeitgemäß im Sinne der Besten unseres Faches, und so unzeitgemäßwie nur möglich im Sinne der Regierenden hüben und drüben. Ich er-hielt nach geraumer Wartezeit meinen Riehl- Preis, und hatte seit die-ser Zeit einen geachteten und gleichzeitig einen geächteten Namen:die Arbeit, die preisgekrönt hatte werden müssen, und die den Bestim-mungen des Preisausschreibens nach hätte gedruckt werden sollen,wurde von der NS- Schrifttumskammer schon als Manuskript nichtzum Druck zugelassen.<< ¹7
Leider fehlen für dieses Druckverbot zugängliche Belege; mehr alsdie Preisverleihung, so Schmidts spätere Interpretation,» ließen wohldie Politiker nicht zu, die es Spamer damals sehr verargten, daß er dasüberhaupt in die Wege geleitet und letzten Ende durchgeführt hatte.Spamer hat es mir noch selbst erzählt, wie er deshalb vor den Univer-sitätsrichter geladen worden war...«< 18 Das ist zwar durchaus möglich,doch weiß man inzwischen, dass Spamer im bzw. ab dem Jahre 1937größere Probleme hatte als Schmidts» Wiener Volkskunde«: Er warseit 1934 Leiter(» Führer«<) der Abteilung» Volkskunde<< der»> Reichs-gemeinschaft für deutsche Volksforschung« gewesen, hatte aber 1937dieses Amt( nicht ganz freiwillig) zurückgelegt; man hatte ihn als welt-anschaulich» unklar« und seine Schriften als» der alten Schule verbun-den«< qualifiziert. Die Folge war, dass er jeglichen Rückhalt im AmteRosenberg( dem die Reichsgemeinschaft zuzuordnen war) verlor, aberauch keine Unterstützung durch das Reichserziehungsministeriumgenoss, wo mit der SS verbundene Kulturpolitiker die Macht über-nommen hatten und Heinrich Harmjanz für die Geisteswissenschaftenzuständig war. 19
Im Sommer 1939 hatte das Ehepaar Schmidt bei Rudolf Kriss indessen Haus auf der Koppenleiten Spamer getroffen; ob anlässlichdieser Begegnung über die Möglichkeit einer Habilitation gesprochenwurde, wissen wir nicht; sicher ist jedoch, dass Schmidt damals bereitsdie Drucklegung seiner» Wiener Volkskunde« vorbereitet hatte. Nochbei Kriss erreichte Schmidt der Einberufungsbefehl, der ihn in derFolge in den Westen Deutschlands und dann nach Frankreich führte.
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Schmidt, Curriculum vitae( wie Anm. 1), S. 46.
Wie Anm. 17, S. 230 f.- Spamer und Schmidt begegneten sich erstmals 1939 bei R.Kriss( wie Anm. 17, S. 52); ein früherer Briefwechsel darf vermutet werden.Assion, Adolf Spamer( wie Anm. 8), S. 72 f.