Aufsatz in einer Zeitschrift 
Was kommt nach Otto Normalverbraucher? : aktuelle Neuschneidungen von ökonomischem, sozialem und politischem Handeln im Zeitalter von Consumer Citizenship
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78 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVI/ 115, 2012, Heft 1+ 2

schen in Massengesellschaften ihre unbekannten Nebenmenschen vor-stellbar machen.²

Die moderne Figur des Durchschnittsmenschen

Denkbar wurden solche Typen vor dem Hintergrund einer ausMessverfahren entwickelten Idee des Durchschnittsmenschen. Da-niela Döring hat in ihrer Dissertation, die kürzlich unter dem Titel> Zeugende Zahlen erschienen ist, verschiedene Stränge aufgezeigt,innerhalb derer sich die Entwicklung des Durchschnittsmenschen alseine moderne Idee verfolgen lässt. Zwei davon möchte ich im Folgen-den aufnehmen: 3 Zum einen wurden Ideal und Mittelmaß als ästhe-tisches Kriterium schon sehr früh verhandelt, z.B. durch den MalerJohann Preißler( 1666–1737), den Berliner Bildhauer Gottfried Scha-dow( 1764-1850) oder den Anthropologen Pierre Broca( 1824-1880).Einen zweiten Strang bildet die frühe Statistik, und wie hier ergänztwerden muss, später die moderne Ernährungswissenschaft. Beideließen den Durchschnittsmenschen zum Regierungsinstrument vonBevölkerungen werden und verbanden ihn mit dem Homogenisie-rungsprojekt moderner Nationalstaaten. Folgt man Alain Desrosières,

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psychotherapeuten- der- ostdeutschen- 1.699951( Zugriff: 17.5.2012); zu Jan Kowalskivgl. Brigitte Jäger- Dabek: Alltag in Polen. So lebt Jan Kowalski. Bundeszentrale fürpolitische Bildung, http://www.bpb.de/internationales/europa/polen/40752/so-lebt- jan- kowalski( Zugriff: 17.5.2012).

Zum Konzept des Nebenmenschen vgl. Alfred Schütz: Der sinnhafte Aufbau der so-zialen Welt. Eine Einleitung in die verstehende Soziologie. Wien 1932. Schütz unter-scheidet» Nebenmenschen« und» Mitmenschen« und bezeichnet damit verschiedeneVerhältnisse, die Menschen im sozialen Raum zueinander haben können. WährendMitmenschen eine direkte soziale Beziehung miteinander haben, besteht diese zwi-schen Nebenmenschen nicht. Dennoch ist ihre Existenz für den Einzelnen von Rele-

vanz.

Daniela Döring: Zeugende Zahlen. Mittelmaß und Durchschnittstypen in Proporti-on, Statistik und Konfektion des 19. Jahrhunderts. Berlin 2011.

Ulrike Thoms: Anstaltskost im Rationalisierungsprozess. Die Ernährung in Kran-kenhäusern und Gefängnissen im 18. und 19. Jahrhundert. Stuttgart 2005; UlrikeThoms»> Ernährung ist so wichtig wie Munition«<, Die Verpflegung der deutschenWehrmacht 1933-1945. In: Wolfgang U. Eckart, Alexander Neumann( Hg.): Me-dizin im Zweiten Weltkrieg. Militärmedizinische Praxis und medizinische Wissen-schaft im>> Totalen Krieg«. Paderborn u.a. 2009, S. 207-229.