Was kommt nach
Otto Normalverbraucher?Aktuelle Neuschneidungen vonökonomischem, sozialem undpolitischem Handeln im Zeitaltervon Consumer Citizenship.
Ina Dietzsch
Der Text untersucht kulturanalytisch, wie ökonomi-sches, soziales und politisches Handeln verschiedenerAkteure zusammenwirken. Er stellt die Person desNormalverbrauchers und die Auflösung ihres integra-tiven Charakters als kulturellen Ausdruck spezifischerhistorischer Verhältnisse dar und diskutiert im An-schluss, auf der Grundlage empirischer Forschung ineiner schrumpfenden Stadt und vor dem Hintergrundaktueller Wachstumskritik, die Entstehung und Reich-weite einer neuen Figur- des Consumer Citizen.
Otto Normalverbraucher, der Mensch mit den durchschnittlichen Be-dürfnissen er scheint nach wie vor unter uns zu sein. Die 670.000Google- Einträge, die man zur Zeit unter diesem Suchbegriff findenkann, betreffen Produkte, die sich ein vermeintlicher Durchschnittder Bevölkerung leisten kann, den Kalorienverbrauch im Zusammen-hang mit Diäten oder User mit einem entsprechenden Nickname. OttoNormalverbraucher, aber auch seine weiblichen Variationen wie ErikaMustermann oder Lieschen Müller, regionale Ausgaben wie die Berli-nerin Erna Kasupke oder die anderer Nationen wie der polnische JanKowalski¹ sie alle sind vertraute Figuren mit deren Hilfe sich Men-
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Zu Erna Kasupke vgl. Renate Meinhof: Super Illu. Die Psychotherapeuten derOstdeutschen. Süddeutsche.de, http://www.sueddeutsche.de/kultur/super-illu-die-