>> The borders of the heart.<<Raum, Gedächtnis, Ethnographie:ein Gespräch in Nordirland
Katharina Eisch- Angus
Eine irritierende Zeichenlandschaft in der nordirischenStadt Derry regte am Rande des SIEF- Kongresses2008 eine Kurz- Ethnographie an, die im Stadtraumund kollektiven Gedächtnis den Verwerfungsliniendes Nordirlandkonflikts nachspürte und schließlich inein Bargespräch mit einer lokalen Männerrunde mün-dete. Über die Rollenzuweisungen, Abgrenzungen undGrenzüberschreitungen zwischen der fremden For-scherin und den einheimischen Gesprächspartnern undZeitzeugen wurde das Gespräch zur» archäologischen<<Erkundung unsichtbarer» borders of the heart<< in Der-ry. Aus der Erfahrung von Antagonismus und Krieg,ihren Ambivalenzen und Paradoxien entfalteten sichSicherungs- und Überlebensstrategien, aber auch diepolyvalenten, grenzüberschreitenden Kräfte der Alltags-
kultur.
Die kleine Forschungsstudie, die ich hier vorstellen möchte, spielt inder Stadt Derry in Nordirland, in Londonderry aus britischer Perspek-tive. Sie basiert auf einem Feldtagebuch, das ich während des vorletz-ten Kongresses der Société Internationale d'Ethnologie et de Folklore( SIEF) geführt habe, der im Juni 2008 an der University of Ulsterin Derry stattfand.' Den Hintergrund dazu bilden meine Forschun-gen zu>> Alltag und Sicherheit«<, die ich schwerpunktmäßig in England
1 Alle folgenden Bezugnahmen auf mein Forschungstagebuch beziehen sich aufForschungsniederschriften in Derry vom 16. bis 21.6.2008. Um den Fluss einerFallstudie und die Form des Bewerbungsvortrags nicht zu stören, wurden wei-tergehende Erläuterungen sowie einzelne Punkte aus der dem Vortrag folgendenDiskussion in Fußnoten aufgenommen- daher der fußnotenlastige Text.