Aufsatz in einer Zeitschrift 
Gestalt und Heiligkeit der Groteske : Leopold Schmidt zum hundertsten Geburtstag
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Martin Scharfe, Gestalt und Heiligkeit der Groteske

nach dem Vollenden das Ungenügen wieder zu spüren, ist denn dasnicht Versuchung?<< ³³

Als der Künstler dann den alten Altar sieht, ist er so überwältigt,daß er den Abt bittet, das gotische Kunstwerk stehen zu lassen und seineigenes Werk an minder bedeutsamer Stelle zu errichten als» Denkmaleines unsterblichen Verzichtes«.( Abb. 4) Aber gerade wegen diesesVerzichtes>> findet ein Herz jetzt seine Ruhe, weil ein Mensch seineGrenze gefunden hat« ja mehr noch:» jetzt, da zwischen dem eige-nen gefühlten Wert und der Größe des Verzichtes das rechte Verhält-nis hergestellt scheint, glaubt er beinahe, wieder der alte zu sein.«» Erist ja doch der starke Mensch geblieben, der kraftvolle Mann aus derSchwanthalersippe«! 34 Da mögen für manchen Geschmack die allego-rischen Fäden zu dicht gesponnen und gespannt sein den Fakt anzu-zweifeln, daß der Verzicht des Künstlers Schwanthaler den Verzichtdes Volkskundlers Schmidt auf die Poesie paraphrasiert, haben wir keinRecht; denn der Volkskundler selbst hat diese Deutung autorisiert.

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Durch Zufall nämlich hat sich die Kopie eines handschriftlichenBriefes des Universitätsdozenten Dr. Schmidt( mit dem Datum des11. August 1947) erhalten folgenden Inhalts:» Lieber Herr Kollege, ichhatte heute anläßlich unserer Besprechung meiner Schwanthaler- No-velle den Eindruck, als ob Sie mich bisher für einen Anfänger auf demGebiet der Schönen Künste gehalten hätten! Daß dem nicht so ist, deszum Beweis lege ich Ihnen hier zwei ältere Privatdrucke bei«<( es kannsich bei diesen Drucken nur um den Gedicht- und den Schauspielbandgehandelt haben),» mit denen Sie sich ein Bild machen mögen, was inmir schon alles vor sich gegangen ist, bevor es zum> Verzicht< kam.( Etwas vom Symbolischen steckt ja in allem unseren Tun, nicht wahr).Herzlich grüßt Ihr Schmidt.«< 35( Abb. 5)

lein aus der ganzen Schnitzersippe der Schwanthaler, die sich immer ihres Wertes sobewußt sind, daß sie zu solchen Eingeständnissen nie kommen würden, fühlt es undkann es doch nicht bessern.<< Ebd., S. 12.

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Ebd., S. 13.

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Alle Zitate ebd., S. 45-47.

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Die Kopie des Briefes ist dem Exemplar» Das andere Leben«( wie Anm. 29) beige-legt, das im Januar 2012 für die Bibliothek des Österreichischen Museums für Volks-kunde in Wien erworben wurde( Signatur: 50298, N: 10). Für Hilfe beim Lesender ziemlich ausgeschriebenen Schriftzüge Schmidts danke ich Frau HR Dr. MargotSchindler und Herrn HR Prof. Dr. Klaus Beitl, beide Wien.

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