14
Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVI/ 115, 2012, Heft 1+ 2
Abb. 1: Goldgeprägtes Wappen auf Leinen: Leopold Michael SchmidtsVersuche in den Schönen Künsten.
finden wir Leopold Schmidts Entscheidung, künftighin der explizitenPoesie abzusagen und die Kräfte für die volkskundliche Tätigkeit zubündeln, in der im Jahr 1947 publizierten und( auch dies natürlich keinZufall!) dem» brüderlichen Freunde« Rudolf Kriss gewidmeten No-velle abgespiegelt, die denn auch ausdrücklich den Titel trägt:» DerVerzicht«<! Der Inhalt ist folgender: Gotik ist aus der Mode gekom-men( die Novelle spielt in der Barockzeit), der Abt von Mondsee willden Pacherschen Altar in Sankt Wolfgang durch eine moderne, alsobarocke Schöpfung ersetzen; also erteilt er dem bekannten Bildschnit-zer Thomas Schwanthaler den Auftrag. Der fertigt das neue Werk undläßt es ans Ziel transportieren, freilich unter großen Selbstzweifeln.( Abb. 2 und 3)» Denn Schwanthaler«<, während er einsam durchs Ge-birge reitet,»> fühlt wieder einmal, daß er sein mächtiges dunkles Werkdoch nicht ganz jenem Ganzen abgerungen hat, aus dem die allerletz-ten Schöpfungen wachsen.«< 32» Nie zufrieden sein können und immer
32 Leopold Schmidt: Der Verzicht. Novelle. Schabzeichnungen von Hanno Bujatti.Wien 1947. 48 Seiten; Zitat auf S. 11 f.- Auch der folgende Satz darf als aus desAutors akademischem Erfahrungshorizont entsprungen gelten:» Er fühlt es, er al-