Aufsatz in einer Zeitschrift 
Gestalt und Heiligkeit der Groteske : Leopold Schmidt zum hundertsten Geburtstag
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Martin Scharfe, Gestalt und Heiligkeit der Groteske

also mit Mösers Schützenhilfe aus dem Jahre 1761 auf die Tendenz> mißteiliger< Wissenschaftskritik in der jüngeren Vergangenheit gesto-Ben auf eine wissenschaftliche Groteske sozusagen.

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Es fehlt uns offenbar( fast hätte ich gesagt, wenn es aus meinemMunde nicht so unabweisbar komisch klänge: es fehlt uns Jüngeren!)hinsichtlich des Genres Würdigung an sicherer Form und an Übung.Doch selbst wenn uns beide Form und Übung zur Verfügungstünden, gäbe es, wie es sie immer gab, eine unabweisbare Schwie-rigkeit, die Georg Christoph Lichtenberg Anfang der 1770er Jahre indie Frage kleidete, ob es uns möglich sei, etwas zu tun, ohne daß wirdabei stets unser eigenes Bestes vor Augen hätten. Natürlich standdem Göttinger Skeptiker die Antwort fest, und auch wir tun gut daran,den Lichtenbergschen Vorbehalt gerade beim Geschäft der Würdigungzu bedenken: also zu fragen, ob nicht jeder Laudator, ganz unbewußtzumeist, Wasser von der Mühle des zu Würdigenden auf die eigeneleite, ja vielleicht sogar notwendigerweise leiten müsse. Denn es gebedoch eine ich möchte es so sagen: objektive Versuchung zu diesemRaub. Diese bestehe darin, daß der Spätere naturgemäß stets größeresWissen, bessere Übersicht, ja vielleicht gar tiefere Erkenntnis habenkönne als der Frühere, daß er also vielleicht sogar die Pflicht habe, inder Würdigung über das Werk hinauszugehen, es zuzuspitzen und da-mit zu vollenden und der Gegenwart deutlich zu machen, wo daseigentliche Ziel des Gewürdigten gelegen sei, das er selbst nur unvoll-kommen habe erkennen können.» Auch wenn nirgends in der Welt dasgilt, was man will«<( lese ich bei Leopold Schmidt selbst),» sondern nurdas, was man tut, so fühlen wir uns doch verpflichtet, dem nachzufüh-len, was hier gewollt wurde.<<

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Spätestens seit Herder hat man das Problem, von dem ich rede, mitdem Bild auszudrücken versucht: der Zwerg auf den Schultern des Rie-sen sehe immer weiter als der Riese selbst 10 ein Bild, das seinen Vor-läufer hatte in der theologischen Figur der neutestamentlichen Apostelund Evangelisten, die auf den Schultern der alttestamentlichen Prophe-

8 Vgl. Georg Christoph Lichtenberg: Sudelbücher I. Hg. von Wolfgang Promies.3. Aufl. München 1980, S. 284( D 350[ 1773-1775]).

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Leopold Schmidt: Vor gotischen Flügelaltären. Wien 1948, S. 27.

10 Johann Gottfried Herder: Abhandlung über den Ursprung der Sprache( 1770). Hg.von Hans Dietrich Irmscher. Stuttgart 1966, S. 121.

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