Jahrgang 
116 (2013) / N.S. 67
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Literatur der Volkskunde

wende um 1800 ist für Bausinger Verdichtungspunkt gesellschaftlicherEntwicklungen, die der Unterhaltung ihre Außenseiterposition zuwei-sen. Das ernsthafte Gespräch wertet die oberflächliche Unterhaltungab und innerhalb der Belletristik etabliert sich eine» Zweiteilung« zwi-schen>>> eigentlicher< Literatur und Unterhaltungsliteratur«( S. 43), diein weiterer Folge die E- und U- Bereiche in Kunst und Kultur begrün-det und bis in die heutige Zeit reicht. Bausinger zeigt, dass diese Tren-als ein Ergebnis bürgerlicher Abgrenzungsstrategie zu sehen unddie Zuordnung zu den jeweiligen Bereichen einer Deutungselite vor-behalten ist. Dass es sich hierbei aber um eine konstruierte Trennunghandelt, wird nach Bausinger nicht zuletzt im Trend zur Vermischungder Genres der E- und U- Bereiche in den 1990er Jahren sichtbar.

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In Ergänzung dazu beschäftigt sich Jens Wietschorke mit dembildungsbürgerlichen Diskurs um den Begriff des Vergnügens seitdem 18. Jahrhundert und fragt nach den distinktiven und normativenImplikationen des Vergnügens als elitäres Konzept. Er folgt der kul-turellen Logik des Konzepts, indem er binäre Codes und die damitverbundenen klassen- und milieuspezifischen Vorstellungen offenlegt.Am Beispiel der» Sozialen Arbeitsgemeinschaft Berlin- Ost«<, die sichzu Beginn des 20. Jahrhunderts als» Gegner des populären Massenver-gnügens«<( S. 52) etablierte, zeigt Wietschorke, dass die>> binären Oppo-sitionen«( S. 54) von» Echt versus Künstlich«,» Oben versus Unten«<,>> Tiefe versus Oberfläche« und» Konzentration versus Zerstreuung«<zentrale Differenzkonstruktionen des bildungsbürgerlichen Diskursesdarstellen. Gerade weil Wietschorke betont, dass dieser herausgearbei-teten Diskursstruktur» gelebte Realität«<( S. 59) entgegenzusetzen ist,ist sein Beitrag so geeignet, ihn in Bezug zu den folgenden empirischenBeiträgen zu setzen.

Im zweiten Kapitel geht es um konkrete» Orte und Praktiken<< vonUnterhaltung und Vergnügung. Birgit Speckle stellt die Ergebnisse desReferats>> Kulturarbeit und Heimatpflege« des bayerischen BezirksUnterfranken vor. Dieses widmet sich dem Aufbau einer Datenbankzur Dokumentation der Architektur, Gestaltung und Nutzung vonTanzsälen in ländlichen Gegenden zwischen 1930 und 1970. LautSpeckle lassen sich anhand der Umnutzung und Vernachlässigung derSäle gesellschaftliche Veränderungen ablesen. Sind die festlichen Akti-vitäten in den Sälen bis 1945 noch stark am» bäuerlichen Arbeitskalen-der«( S. 70) ausgerichtet und werden ab den 1930er Jahren politischinstrumentalisiert, so differenziert sich die Freizeitgestaltung ab den

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