Jahrgang 
116 (2013) / N.S. 67
Seite
560
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560 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVII/ 116, 2013, Heft 3+ 4

Christoph Bareither, Kaspar Maase, Mirjam Nast( Hg.):

Unterhaltung und Vergnügung.

Beiträge der Europäischen Ethnologie zur Populärkulturforschung.Würzburg: Verlag Könighausen& Neumann 2013, 216 Seiten, s/ w- Abb.

Als Auftakt zur Gründung der DGV- Kommission» Kulturen populä-rer Unterhaltung und Vergnügung« fand im Juni 2011 die gleichnamigeTagung in Tübingen statt, auf deren Beiträge diese Veröffentlichungder Kommission basiert. Der Band dient einer( Neu-) Ausrichtungdes Forschungsfeldes der Populärkultur. So werden Bezüge zwi-schen»> älteren Fachpositionen«<, theoretischen Konzepten und aktu-ellen empirischen Forschungen mit dem Ziel hergestellt,» produktiveLinien«( S. 10) herauszuarbeiten und sie für das Forschungsfeld nutz-bar zu machen.

Der Sammelband gliedert sich, neben einem Vorwort von Her-mann Bausinger und einer Einleitung der Herausgeberin und derHerausgeber, in vier Kapitel. Im ersten Kapitel» Konzepte und Kon-texte<< umreißt Kaspar Maase den Untersuchungsgegenstand derPopulärkulturforschung ausgehend von der Europäischen Ethnologieals>> relativistisch und gemäßigt konstruktivistisch«,» empirisch, nahean konkreten Phänomenen«( S. 24) arbeitende Disziplin. Im Mittel-punkt steht der» Kosmos der Massenkünste«( S. 28), welcher in ers-ter Linie ästhetische, alltagsbezogene Erfahrungen umfasst, die mitPraktiken rezeptiver Unterhaltung und performativer Vergnügungverbunden sind. Gerade die Prozesse, Dynamiken und Relationeninnerhalb dieses Kosmos, über die sich Genres verdichten und»> Fami-lienähnlichkeiten«<( Wittgenstein) beschreiben lassen, sind zentral fürdie Untersuchung populärer Phänomene. Auf diese Weise beschreibtMaase einen Untersuchungsbereich, der sowohl den Akteuren, ihrenästhetische Erfahrungen und den jeweiligen populären Phänomenegerecht wird als auch den Genre- Kontext mit seinen Entstehungsbe-dingungen und Bezügen in den Blick nimmt.

Nach diesen grundsätzlichen Überlegungen zu einer Systematikder Populärkulturforschung setzen sich Hermann Bausinger und JensWietschorke konkret mit den Begriffen» Unterhaltung« und» Vergnü-gung« auseinander. Bausinger zeigt in seinem Beitrag, der erstmals1994 publiziert wurde, wie sich die Abwertung des Begriffs der Unter-haltung im Zuge des 19. Jahrhundert vollzogen hat. Die Jahrhundert-