Jahrgang 
116 (2013) / N.S. 67
Seite
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVII/ 116, 2013, Heft 3+ 4

Alexander Hepp: Maria vom Blut. Ein verletztes Gnadenbild

aus Italien verbreitet sich in Mitteleuropa: Ursprung, Geschichteund Wunder der Wallfahrt im oberschwäbischen Bergatreute.2., überarb. u. erw. Aufl. Kißlegg: fe- medienverlag 2011,447 Seiten, zahlr. Ill., Notenbeispiele.

Ein erstaunlich reiches Bild- und Quellenmaterial legt der ehrenamt-liche Pfarrarchivar aus dem oberschwäbischen Bergatreute AlexanderHepp in seinem Werk» Maria vom Blut« von der Wallfahrt und Bild-verehrung seines Heimatortes vor. Penibel hat er dabei die zu Grundeliegende Legende und die Literatur zur Thematik eines» verletztenKultbildes«< erarbeitet, dessen Ursprung im 15. Jahrhundert in Re imPiemont liegt. Dort war an der Außenwand des Mauritiuskirchleinsein Fresko gemalt, das alle Vorübergehenden andächtig zu grüßenpflegten. Über die sich anschließende Frevellegende hat Leopold Kret-zenbacher schon 1961 und vor allem 1977 grundlegende Studien ver-öffentlicht und die Geschichte von jenem Frevler Giovanni Zucconeerzählt, der ein Säufer und Spieler gewesen und in der Nacht betrun-ken im Würfelspiel verloren hatte:» Voll Wut über sein Missgeschickschleuderte er einen Stein gegendie Madonna. Er traf sie an der Stirneund plötzlich begann daraus allen sichtbar, rotes Blut zu tropfen. VollEntsetzen will man nun das Bild nach der Legende seit dem April desJahres 1494 unablässig bis zum Mai bluten gesehen haben, bis Priesterdas Blut auffingen und auch das Bild von der Mauer lösen und in dieKirche übertragen ließen.<< ¹

In der böhmischen Stadt Klattau geschieht an der Bildkopie desKaminkehrers Bartolomeo Rytzoli im Juli 1685 ein zweites Blutwun-der. Eine Abbildung davon befindet sich seit 1686 im oberschwäbischenBergatreute, wo bis heute am Festtag» Maria Heimsuchung«( 2. Juli)dieses>> Blutwunders«< gedacht und von vielen dort geschehenen Wun-dern berichtet wird. Vor allem im 17. Jahrhundert wurden totgeboreneKinder dort zum Gnadenbild gebracht, die bei einem Lebenszeichendas Sakrament erlangen konnten.

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Leopold Kretzenbacher: Madonna mit dem Blutmal auf der Stirne. In: Heimatim Volksbarock. Kulturhistorische Wanderungen in den Südostalpenländern.Klagenfurt 1961, S. 96-106.