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116 (2013) / N.S. 67
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVII/ 116, 2013, Heft 3+ 4

Jahren als vermutlich längstdienender Direktor eines österreichischenMuseums in den wohlverdienten Ruhestand treten würde. Möglichwurde dies durch den Umstand, dass Pöttler zwar als Beamter 1989in Pension ging, die Stiftung ihn jedoch weiterhin mit der Leitung desMuseums beauftragte.

Wer dieser eindrucksvollen Erscheinung mit dem schlohweißenHaar jemals in ihrem Museum begegnet ist, der spürte, wie sehr sichPöttler mit seinem Lebenswerk identifizierte. Man verstand sogleich,warum er mit diesem Museum praktisch gleichgesetzt wurde: Pöttlerwar Stübing und Stübing war Pöttler!

Pöttler konnte beim Aufbau des Freilichtmuseums endlich seineorganisatorischen Fähigkeiten voll umsetzen und fand in der Heraus-forderung auch seine wissenschaftliche Erfüllung. Seine Publikations-tätigkeit trat 1962 in eine intensive Phase, in der er sich bis zuletztnahezu ausschließlich Fragen der ländlichen Architektur widmete. Seinletztes Buch( zugleich auch seine letzte Veröffentlichung) erschien2005( Gebaute Urväter- Weisheit).

Mit der Gründung des Österreichischen Freilichtmuseums gingfür viele ein großer Traum in Erfüllung, den bereits Rudolf Merin-ger( 1908!) und Viktor Geramb geträumt hatten. Insbesondere ViktorGeramb hatte sich intensiv mit dieser Frage auseinandergesetzt undseine Vorstellungen erstmals 1930 auch zu Papier gebracht. Die Reali-sierung dieses Traumes schritt nun zügig voran, und 1970 konnte dasMuseum mit 34 Objekten eröffnet werden. Wer auch nur einigerma-Ben mit den Problemen eines Freilichtmuseums vertraut ist, wird erah-nen, welche Leistung Pöttler hier zustande gebracht hat. Mit Rechtdurfte er Stübing als sein Lebenswerk bezeichnen, auf dem er sichallerding keine Minute ausruhte, das er vielmehr bis zuletzt ausbauteund das 2004 über 90 Objekte zählte.

Pöttlers Philosophie war dabei ebenso klar wie eindeutig: Ein Frei-lichtmuseum ist primär eine Institution zur Vermittlung bäuerlicherArchitektur, in der gezeigt wird, wie Menschen zu bestimmten Zeitenunter bestimmten Voraussetzungen mit bestimmten Mitteln gebauthaben. Keinesfalls kann ein Freilichtmuseum historisches Leben>> vor-gaukeln«<, das es längst nicht mehr gibt! Es ist geradezu wohltuend,dass Pöttler bis zuletzt bemüht war, dieses Konzept durchzuhalten.Letztlich musste er zwar gewisse Kompromisse eingehen und zurKenntnis nehmen, dass ein Museum ohne zusätzliche» Events<< früheroder später ein Besucherproblem bekommt. Gelegentlichen Vorwür-