Chronik der Volkskunde
einzelner Seiten aus einem Klebealbum des späten 18. Jahrhundertserläuterte er die verschiedenen zu dieser Zeit in Augsburg üblichenKleidungsstücke für Herren und Damen, die noch von England stärkerals von Frankreich beeinflusst waren. Im Anschluss daran referierteMichaela Breil, wissenschaftliche Mitarbeiterin im tim, über ihr jüngs-tes Forschungsprojekt» Der Perlontraum- Zerschlagung und Wieder-aufbau der deutschen Strumpfindustrie zwischen 1945 und 1960« inVorbereitung einer Ausstellung im nächsten Jahr zum Thema Strumpf-mode und-erzeugung. Nach einer kurzen Erläuterung zu technischenDetails( Unterschied Strickmaschine und Wirkmaschine) ging Breilanhand der beiden Firmen Kunert und Bahner auf die Situation derStrumpfindustrie im Nachkriegsdeutschland ein, die sie 1945 mit derDemontage der Maschinen durch die Sowjetbesatzung beginnen ließ.Damit wurde leider die Zeit des Nationalsozialismus und des Zwei-ten Weltkriegs als doch wesentliche Voraussetzung für die Beantwor-tung von Fragen etwa nach der Kontinuität in den Firmenführungenund-strukturen ausgeklammert. Der wirtschaftshistorische Vortragerläuterte schließlich ausführlich wie durch die große Nachfrage, dieFindungsgabe der Firmenleitungen und die Möglichkeiten des Mar-shallplans sowie durch die Entwicklung des Perlon als Konkurrenzzum amerikanischen Nylon die Hochzeit der deutschen Strumpfent-wicklung möglich wurde, die bis zur ersten Krise zu Beginn der 1960erJahre andauerte.
Der dritte Hauptvortrag des Nachmittags,» Das Dirndl. Kleid undKostüm, Heimat und Identität«, wurde von Simone Egger, Mitarbeite-rin des Instituts für Volkskunde/ Europäische Ethnologie der Univer-sität München, gestaltet, die sich seit ihrer Diplomarbeit immer wiedermit dem Thema» Tracht« und Münchner Oktoberfest auseinander-setzt. Nach einer Einleitung, in der sie festhielt, dass die Trachtenmodemittlerweile ein fixer Bestandteil im Kleiderschrank nahezu aller inBayern lebenden Menschen geworden ist, sie also mehr als ein kurzesmodisches Phänomen ist, erläuterte sie ausführlich die Entstehungsge-schichte der bayrischen Tracht, die in engem Zusammenhang mit derIdentitätsfindung des neuen Königreichs ab 1800 und dem Oktober-fest steht. Während Tracht und auch Dirndl im Selbst- und FremdbildBayerns seit ihrer Entstehung im 19. Jahrhundert eine tragende Rollehaben, waren sie im 20. Jahrhundert vom Oktoberfest nahezu ver-schwunden. Die seit dem Jahr 2000 wieder stetig wachsende Beliebt-heit von Dirndl, Lederhose und anderen trachtigen Outfits erklärt
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