Jahrgang 
116 (2013) / N.S. 67
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVII/ 116, 2013, Heft 3+ 4

jekt zu eutsch- schwedischen Kontaktem in der Volkskunde im Schattendes kalten Krieges. Diese Kontakte, auch während der Zeit des Natio-nalsozialismus weitestgehend aufrechterhalten, wurden nach 1945 vonbeiden Seiten vorangetrieben, ohne dass aus den Ereignissen resultie-rende Veränderungen oder Umbrüche innerhalb des Fachs stattfan-den. Dies war, so die Referentin, den unterschiedlichen Strömungenwie den Folklife- Studies und den sozialanthropologisch orientiertenLokalstudien sowie der erst späten Hinwendung zu einer Gegenwarts-volkskunde durch eine neue Forscher/-innengeneration zwischen 1960und 1980 geschuldet. In dem vorletzten Vortrag berichtete Dani Schrire( Jerusalem) von seiner Forschung in Göttingen» Zur Situation derinternationalen Volkskunde: Kurt Ranke's scholarly ties with Israelifolklorist in the 1960s.« Schrire thematisierte die internationalen, nichtnur völkischen Tendenzen der Volkskunde- die er übrigens auch vordem Krieg sieht am Beispiel Kurt Rankes Unterstützung von DovNoy und Studierenden der Folklore aus Israel in Göttingen. Der Refe-rent erläuterte, dass Ranke versuchte, damit seine eigene Geschichtezu überwinden, Noy und andere bekamen damit internationale Legi-timation für ihre Folkloreforschung. Diese Forschung wurde als fastsubversiv gesehen, weil sie nicht die neue einheitliche israelischeKultur befördert habe. Auffällig war, dass Ranke nur Arbeiten mitaußereuropäischen Themen betreute und publizierte, was Schrire alsBewältigungsstrategie für beide Seiten betrachtete. Abgerundet wurdedie Tagung am Samstagmittag mit einem Beitrag von Jens Wietschorke( Wien), der unter dem Titel» Inter-/ Trans-/ Disziplinär?«< der Fragenachging, wie das Fach seine Position hinsichtlich seiner disziplinä-ren Identität im Zeitraum 1945 bis 1970 entwickelte. Er betonte dabei,dass die Volkskunde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein vonunterschiedlichen Teildisziplinen geprägtes Fach war, das sich aber inden 1960er Jahren in Zusammenhang mit einem Methodenwandel undeiner Verschiebung hin zu einer modernen Alltagskulturwissenschaftmit der Frage konfrontiert sah, an welcher Leitdisziplin es sich orien-tieren soll.

Mit ihrer Fülle von Beiträgen vermittelten die 20 Referenten undReferentinnen in den drei Tagen ein sehr facettenreiches Bild derVolkskunde während des Kalten Krieges. In den Blick gerückt wur-den dabei vor allem Entwicklungen einzelner Lehrstühle und Institutehinsichtlich ihrer Akteure und deren Arbeitsweisen sowie die wechsel-seitigen Beziehungen und Verflechtungen zwischen Ost- und West-