Chronik der Volkskunde
Zur Situation der Volkskunde 1945-1970. Orientierungeneiner Wissenschaft in Zeiten des>> Kalten Krieges«<,Ludwig- Maximilians- Universität München, 9.- 11. Mai 2013
Vom 9. bis 11. Mai 2013 widmeten sich Volkskunderinnen und Volks-kundler in den Räumen der Ludwig- Maximilian- Universität Münchender Geschichte ihres Fachs zwischen 1945 und 1970. Verhandelt wur-den in den drei Tagen die personellen, strukturellen und methodischenEntwicklungen im besagten Zeitraum und ihre Auswirkungen auf dasFach. Anlass für die Tagung boten gleich zwei Jubiläen: Im Jahr 2013jähren sich die Gründung der Deutschen Gesellschaft für Volkskundeund die des Instituts für Volkskunde/ Europäische Ethnologie an derLMU zum jeweils 50. Mal.
Nach Begrüßungsworten von Johannes Moser( München) eröffneteHelge Gerndt( München) am Donnerstagnachmittag die Tagung miteinem Vortrag zu Thema» Vom Nutzen der Fachgeschichte. Gesell-schaftliche Blickwechsel und volkskundliche Identität«<. Dabei begriffer die Fachgeschichte als eine Beleuchtungsgeschichte, die durch gesell-schaftlich und zeitgenössisch beeinflusste divergente wissenschaftlicheInteressen bestimmt ist. Er betonte, dass jede Fachgeschichte ein Kon-strukt sei und keine stringente Entwicklung zeige. Den Nutzen derFachgeschichte beschrieb Gerndt damit, dass sie Kraftquelle einer Dis-ziplin sei und zur Fachidentität beitrage. In diesem Zuge sprach sichder Referent für die Rehabilitierung der Fachbezeichnung Volkskundeaus, da dieser Begriff Erkenntnisziel und Methode beinhalte.
Die Sektion I widmete sich der DDR- Volkskunde, wobei beson-ders der Einfluss durch einige herausragende Persönlichkeiten fokus-siert wurde. Cornelia Kühn( Berlin) referierte zuerst über» AngewandteWissenschaft? Paul Nedo und das Institut für Volkskulturforschungam Leipziger Zentralhaus für Volkskunst( 1952-1961)«<. Die Referen-tin führte aus, dass Paul Nedo durch traditionelle Volkskunstforschungversuchte, eine lebendige Volkskultur als Alternative zur US- amerika-nischen Massenkultur zu erhalten. Dabei musste er mit politischerund wissenschaftlicher Opposition kämpfen. Es wurde deutlich, dassdie wissenschaftliche Diskussion um Nedo bezüglich der Fragen nachTradition und Echtheit den Argumenten der zeitlichen Folklorismus-Debatte in der BRD ähnelte. Ines Keller( Bautzen) folgte mit einemBericht über»> Die sorbische Volkskunde zwischen 1945 und 1970. Auf
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