Chronik der Volkskunde
gegeben werden können. Auch fielen am Ende, der zwangsläufigenAuswahl von Vortragsthemen geschuldet, einige Aspekte der kultur-wissenschaftlichen Forschung, wie etwa die der Körperpraktiken,Sexualität oder der Bereich der Emotion und Rituale, ein wenig unterden Tisch. Dennoch gingen die TeilnehmerInnen der hochspannendenund gut organisierten Tagung nicht ganz ohne Antworten nach Hause.Gerade durch die vielfältige Beleuchtung des Themenkomplexes Emo-tion aus fachhistorischer, theoretischer und praktischer Perspektivewurden in diesen vier Tagen viele Ansatzpunkte und Ideen gegeben,wie man sich methodisch und analytisch dem schwer greifbaren Themanähert. Wie fruchtbar diese gerade im Austausch miteinander waren,zeigte sich in den gut genutzten Diskussionen und die Bezugnahme derReferentInnen untereinander. Ein abschließender Blick auf den Titelder Tagung lässt jedoch fragen, ob nun tatsächlich von einem emoti-onal turn gesprochen werden kann. Es ist offensichtlich, dass durchden Einzug der Emotion in die Wissenschaft neue Perspektiven undFragestellungen, aber auch neue Gegenstandsbereiche Teil der kultur-wissenschaftlichen und auch interdisziplinären Forschung erschlossenwurden. Folgt man Doris Bachmann- Medick, dann reicht dies abereben nicht aus, einen turn zu begründen. Erfolgen muss ein konzep-tioneller Sprung und zwar vom Untersuchungsgegenstand zu einemAnalyseinstrument. Bei der Fülle an Projekten und wissenschaftlichenForschungen die im Moment in dem Bereich laufen, dürfen wir aufErgebnisse auch in diesem Bereich gespannt sein.
Stephanie Schmidt, Pauline Lörzer
Sinnliche Ethnographien.
8. dgv- Doktorand Innen- Tagung, 10.- 12. Mai 2013,Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie Graz
Mit dem Thema der diesjährigen DoktorandInnentagung in Grazsetzte das Team der Organisierenden die sinnliche Dimension ethno-grafischer Forschung ins Zentrum.
In den Vorträgen und Diskussionen zu laufenden Dissertationsfor-schungen wurde dieses Thema mit variierendem disziplinärem Hinter-
503