Chronik der Volkskunde
Hommage an eine große Stadtforscherin:Colette Pétonnet( 1929-2012)
Vom 3.- 4. Oktober 2013 fand in Paris eine Tagung zu Ehren von ColettePétonnet statt, der im vergangenen Jahr verstorbenen Begründerin derStadtanthropologie in Frankreich:» Les sentiers de l'ethnologie urbaineavec Colette Pétonnet«. Der Ort der Veranstaltung, das Musée Natio-nal d'Histoire Naturelle, war mit Bedacht gewählt. Das Museum liegtam Eingang des Jardin des Plantes und verweist auf ein Forschungs-gebiet, mit dem sich Colette Pétonnet zuletzt auseinander gesetzt hat:das Grün der Stadt(» des espaces de la nature sont des espaces poli-tiques<<). Es war nicht Auftrag, sondern ehrende Geste, dass Gärtnerdes Jardin des Plantes den Tagungsraum mit Blumen und Herbstlaubgeschmückt haben. Pétonnet stand in enger Beziehung zu ihnen.
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Die hochkarätige Veranstaltung wurde gemeinsam organisiert vonden Pariser Stadtforschungseinrichtungen Laboratoire d'urbanisme( Lab'URBA), Laboratoire d'Anthropologie Urbaine( LAU), Labo-ratoire Architecture Ville Urbanisme Environnement( LAVUE),Architecture Urbanisme et Société( AUS) sowie des Laboratoire Eco-Anthropologie et Ethnobiologie. Sie versammelte das ist selteneine ganze Generation von herausragenden Anthropologinnen undHistorikerinnen, die die Modernisierung und den Feminismus in derfranzösischen Ethnologie repräsentieren: unter anderen äußerten sichMichelle Perrot und Arlette Farge, Martine Segalen und BernadetteLizet, Françoise Zonabend und Françoise Dubost, Olga Muro undLiliane Kuczynski.
Der ersten Generation der deutschsprachigen Stadtvolkskund-lerInnen ist Colette Pétonnet ein Begriff. Sie gründete, zusammenmit Jacques Gutwirth, 1985 das innovative CNRS Laboratoire deL'Anthropologie Urbaine; kurz davor veranstaltete die DeutscheGesellschaft für Volkskunde ihren ersten( und letzten) Stadtforschungs-kongress( 1983), an dem Pétonnet mit einem Vortrag teilgenommenhatte. Für spätere Generationen hat die grosse Barriere zwischen demDeutsch- und dem Französischsprachigen, welche trotz der Überset-zungen der Werke bekannter französischer Philosophen, Historikerund Soziologen immer noch, und in beiden Sprachräumen, die wis-senschaftliche Rezeption verhindert, auch die gegenseitige Rezeptioneiner neuen Europäischen Ethnologie stark eingeschränkt.
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