Jahrgang 
116 (2013) / N.S. 67
Seite
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Chronik der Volkskunde

Hommage an eine große Stadtforscherin:Colette Pétonnet( 1929-2012)

Vom 3.- 4. Oktober 2013 fand in Paris eine Tagung zu Ehren von ColettePétonnet statt, der im vergangenen Jahr verstorbenen Begründerin derStadtanthropologie in Frankreich:» Les sentiers de l'ethnologie urbaineavec Colette Pétonnet«. Der Ort der Veranstaltung, das Musée Natio-nal d'Histoire Naturelle, war mit Bedacht gewählt. Das Museum liegtam Eingang des Jardin des Plantes und verweist auf ein Forschungs-gebiet, mit dem sich Colette Pétonnet zuletzt auseinander gesetzt hat:das Grün der Stadt(» des espaces de la nature sont des espaces poli-tiques<<). Es war nicht Auftrag, sondern ehrende Geste, dass Gärtnerdes Jardin des Plantes den Tagungsraum mit Blumen und Herbstlaubgeschmückt haben. Pétonnet stand in enger Beziehung zu ihnen.

Die hochkarätige Veranstaltung wurde gemeinsam organisiert vonden Pariser Stadtforschungseinrichtungen Laboratoire d'urbanisme( Lab'URBA), Laboratoire d'Anthropologie Urbaine( LAU), Labo-ratoire Architecture Ville Urbanisme Environnement( LAVUE),Architecture Urbanisme et Société( AUS) sowie des Laboratoire Eco-Anthropologie et Ethnobiologie. Sie versammelte das ist selteneine ganze Generation von herausragenden Anthropologinnen undHistorikerinnen, die die Modernisierung und den Feminismus in derfranzösischen Ethnologie repräsentieren: unter anderen äußerten sichMichelle Perrot und Arlette Farge, Martine Segalen und BernadetteLizet, Françoise Zonabend und Françoise Dubost, Olga Muro undLiliane Kuczynski.

Der ersten Generation der deutschsprachigen Stadtvolkskund-lerInnen ist Colette Pétonnet ein Begriff. Sie gründete, zusammenmit Jacques Gutwirth, 1985 das innovative CNRS Laboratoire deL'Anthropologie Urbaine; kurz davor veranstaltete die DeutscheGesellschaft für Volkskunde ihren ersten( und letzten) Stadtforschungs-kongress( 1983), an dem Pétonnet mit einem Vortrag teilgenommenhatte. Für spätere Generationen hat die grosse Barriere zwischen demDeutsch- und dem Französischsprachigen, welche trotz der Überset-zungen der Werke bekannter französischer Philosophen, Historikerund Soziologen immer noch, und in beiden Sprachräumen, die wis-senschaftliche Rezeption verhindert, auch die gegenseitige Rezeptioneiner neuen Europäischen Ethnologie stark eingeschränkt.

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