Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde116 (2013) / N.S. 67Schmidt-Lauber, Brigitta; Sulzner, Raffaela; Wietschorke, Jens: Salongespräch zwischen den Generationen mit Hermann Bausinger

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Salongespräch zwischen den Generationen mit Hermann Bausinger : ein Erfahrungsaustausch zur Fachgeschichte
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Salongespräch zwischen den Generationen mit Hermann Bausinger

ein ausdrückliches Vertriebenen- Ministerium, zuständig für die Hei-matvertriebenen, die ja in großer Zahl gekommen waren. Und dieseGelder wurden zunächst dazu verwendet noch vor meiner Zeitfing das an, und wir haben es zunächst noch fortgesetzt-, um Erhe-bungen zu machen bei den» Flüchtlingen«<. Die Heimatvertriebenenhaben Wert darauf gelegt,» Heimatvertriebene« genannt zu werden.Aber» Flüchtlinge« war irgendwie populärer und vertrauter in gewis-ser Weise. Bei ihnen wurden diese Erhebungen gemacht, und zwar so,dass gefragt wurde:» Gibt es jemanden von Csobanka bei Budapest?Oder finden wir jemanden aus Milititsch...?«< Und dann wurden Befra-gungen zu diesen Dörfern gemacht entlang dem Kanon. Also: Wiehaben die Häuser ausgesehen? Haus und Hof? Welche Geräte warenda in der Landwirtschaft? Wie war überhaupt der landwirtschaftlicheJahreslauf? Gab es abergläubische Vorstellungen? Was haben die Leutegesungen? Und so weiter. Beim Durchlesen dieser Arbeiten( Es warenimmer so 20, 30 Schreibmaschinenseiten) ist deutlich geworden, dasssich eigentlich nichts Neues mehr ergibt aus diesen Darstellungen. Diewaren sehr wertvoll für die Leute, die damals Heimatbücher geschrie-ben haben. Die haben sich an diesen Arbeiten orientiert. Aber mir istaufgefallen, dass dabei eine sehr interessante Perspektive völlig unterden Tisch fällt. Nämlich was ist aus diesen Dingen in der neuen Hei-mat geworden? Und wie verändern sich diese Dinge? Also wird nochDialekt gesprochen? Treffen sich die Leute überhaupt noch unterein-ander? Wie ist das Verhältnis zu Flüchtlingen aus anderen Regionen?Wie verhält man sich etwa zu Kleidungsnormen? Laufen die Men-schen noch in ihren Holzpantinen oder in Strohschuhen herum? Wieist es mit der Ernährung? Stimmt es, dass die bei Stuttgart Paprikaangebaut haben neuerdings? Und so weiter. Also dieseganzen Akkul-turationsvorgänge, die waren vorher nicht im Blickfeld, und wir habendann quasi neu angesetzt, und es sind in 20 bis 30 Neusiedlungen,in denen großteils Heimatvertriebene wohnten, Erhebungen gemachtworden in diese Richtung. Wir haben dann 1959 ein Buch veröffent-licht,»> Neue Siedlungen«<, in dem diese Veränderungsprozesse im Mit-telpunkt standen. Und das war in der Tat dann auch eine Annäherungan die Soziologie. Ich bin 1958 aufgrund von ersten Berichten überdiese Dinge eingeladen worden zum Internationalen Soziologen- Kon-gress und habe damals referiert über Volkskunde und Soziologie. Einegewisse Annäherung gab es. Der Untertitel des Buches» Neue Siedlun-gen« hieß dann auch» Volkskundlich- soziologische Untersuchungen<<.

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