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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVII/ 116, 2013, Heft 3+ 4
an völlig daneben. Ich meine, wir kamen in eine Wirtschaft rein oderwir sindper Anhalter gefahren- es wurde doch dauernd erzählt. Aberes wurden natürlich nicht die Grimmschen Märchen erzählt und auchnicht unbedingt, was damals unter Sage gehandelt wurde. Und meineDissertation, die also eine empirische Feldforschung voraussetzte( ichbin in der Gegend rum gefahren und rum gewandert und habe ver-sucht, unter anderem mit Schulklassen, aber auch mit Erwachsenenzu reden über das, was erzählt wird in den betreffenden Gemeindenoder in den betreffenden Gruppen) – die sollte eigentlich nachweisen,dass die Zeit der Märchen, die Zeit der Sagen und so weiter endgül-tig vorbei ist und dass ganz andere Dinge erzählt werden. Da bin ichselber dann falsifiziert worden, denn ich habe dann erst gelernt, wieviel noch von älteren Traditionen lebendig ist. Märchen relativ wenig,aber es gab Flüchtlinge, Heimatvertriebene, die noch die alten Mär-chen erzählt haben. Vor allen Dingen aber waren abergläubische Vor-stellungen verbreitet. Ob man die nun Sage nennt oder nicht, das isteine eigene Frage. Aber die waren zum Teil durchaus noch vorhanden.Interessant für mich war besonders, dass in diese alte Sagenwelt nunganz neue Elemente hereinkamen. Also, um ein konkretes Beispiel zunehmen: Ein Lastwagenfahrer hat mir erzählt, er habe eine alte Frauaufgenommen an einer Kreuzung im Wald. Da stand die, wollt mit-fahren. Er hat sie aufgenommen und sie stieg ein, setzte sich auf denBeifahrersitz, und von dem Moment hat er den zweiten Gang nichtmehr reingebracht und ist also viele Kilometer im ersten Gang gefah-ren. Und dann stieg die Frau wieder aus, und sofort funktionierte dasAuto wieder normal. Im Hintergrund war natürlich der Gedanke: Ja,das war eine Hexe oder das ging nicht mit rechten Dingen zu. Fürmich waren solche Berichte deshalb interessant, weil hier nun plötzlichdie moderne Welt, also die technische Welt, eine Rolle gespielt hat inVerbindung mit diesen älteren Vorstellungen. Und das hat mich dannauch dazu geführt, später dieses Buch zu schreiben» Volkskultur in dertechnischen Welt«<, in dem ich zu zeigen versuchte, dass die TraditionVerbindungen eingeht mit der Technik.
Ich sollte vielleicht, wenn ich hier in Wien bin, noch sagen, dass inder Zeit meines Studiums und als ich dann angefangen habe als Assis-tent( es war ein Glücksfall, dass gerade so eine Stelle frei war; ich waran sich bereits Studienreferendar und hatte Schüler vor mir, und dannwurde mir die Stelle an der Uni angeboten)- dass in dieser Zeit dieVerbindung mit Österreich, mit der österreichischen Volkskunde aus-