Salongespräch zwischen den Generationen mit Hermann Bausinger
meines Auslandsemesters an der Universität Lund in Schweden traf,belehrte mich dahingehend jedoch eines Besseren. Als ich Mitstudie-renden anderer Disziplinen erklären wollte, dass unsere Fächer zwarandere Namen tragen, wir in Wirklichkeit aber das Gleiche studieren,fiel mir meine Tübinger Kommilitonin etwas verwundert ins Wort undmeinte:» Naja, so kann man das jetzt aber auch nicht sagen«. Wirklichbegründen konnte sie ihre Kritik an meiner Aussage aber auch nicht.Wenn mich heute jemand fragt, was ich studiere, habe ich nach wie vorSchwierigkeiten, mein Studium zu erklären. Ein Fach, das einfach soviele Möglichkeiten bietet und so vielseitig ist, lässt sich meiner Mei-nung nach einfach nicht in einem Satz zusammenfassen.
JENS WIETSCHORKE: Wenn ich über meine persönliche, generationellgeprägte Erfahrung mit dem Fach nachdenke, dann muss ich zuerstüber Standorte sprechen. Ich habe zwischen 1997 und 2005 studiertdie ersten beiden Jahre in Tübingen, dann für zwei Semester in Wienund dann hauptsächlich in Berlin. Und ich habe diese Orte als sehrunterschiedliche Studienorte wahrgenommen. Ich kann mich nichterinnern, dass mir in den ersten Jahren bewusst gewesen wäre, dass dieEmpirische Kulturwissenschaft, die ich da studiere, und Volkskundedasselbe Fach sind. Das deckt sich also durchaus mit der Äußerungdieser Tübinger Kommilitonin von Raffaela in Lund. Die EmpirischeKulturwissenschaft in Tübingen habe ich als etwas sehr Eigenständigeswahrgenommen fast als eine eigene Wissenschaftsdisziplin. Woranich mich nämlich auch erinnere, ist, dass ich bei der Studienortwahlfür den Beginn des Studiums kaum eine Alternative gesehen habe.» Empirische Kulturwissenschaft«<, das wollte ich als Gegengewicht zumeinen anderen Studienfächern Philosophie und Germanistik unbe-dingt machen, und das so dachte ich gab es ja nur in Tübingen.Da war ich also auch schlicht und einfach schlecht informiert, so dassich diese Querverbindung zur Volkskunde, Europäischen Ethnologieusw. gar nicht gesehen habe. Das kam dann erst etwas später, nämlichin Wien, wo ich auf eine sehr aufschlussreiche und kritische WeiseFach- und Wissenschaftsgeschichte vermittelt bekommen habe. AlsLehrende habe ich in meiner Studienzeit vor allem FachvertreterInnenkennengelernt, die noch von klassisch volkskundlichen Themen herge-kommen sind und diese dann neu interpretiert haben, beziehungsweisedavon ausgehend dann zu neuen Forschungsfeldern gefunden haben.Das war im Wesentlichen die männlich dominierte Professoren-
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