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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVII/ 116, 2013, Heft 3+ 4
Fach wir eigentlich vorgefunden haben. Wie war die Situation damals?Wie wirkte dieses Fach auf uns? In unseren Vorgesprächen, sovielkann ich schon sagen, hatte ich immer wieder den Eindruck, dass esdurch diesen generationalen Vergleich Möglichkeiten gibt, Fachge-schichte auch als Gesellschaftsgeschichte zu lesen. Und damit gebe ichdas Wort Raffaela Sulzner, die beginnen wird:
RAFFAELA SULZNER: Ich kam 2009 an das Institut für EuropäischeEthnologie in Wien und war begeistert von der Lage und den Räum-lichkeiten des Instituts. Als Erstsemestrige wurden wir persönlich amInstitut empfangen und es war ein sehr junges Institut, mit sowohlweiblichen als auch männlichen MitarbeiterInnen, das uns dortbegrüßte. Die überschaubare Anzahl der Studierenden bot und bietetnach wie vor viel Raum für Diskussionen in den Lehrveranstaltungen,die durchaus positiv beeinflusst wurden durch immer weniger spür-bare Hierarchien zwischen Lehrenden und Studierenden. Ein kleinesInstitut wie die Europäische Ethnologie bietet zudem auch Raum fürindividuellere Austauschmöglichkeiten, welche abseits verschlossenerSeminarraum oder Bürotüren durchaus bis zur Kaffeemaschine oderden Raucherhof reichen.
Inhaltlich verspürte ich seit Beginn meines Studiums eine dochsehr starke Abwendung vom volkskundlichen Kanon und eine kritischeAuseinandersetzung mit Fachgeschichte. Ich nehme das Fach heute alshistorisch argumentierende Gegenwartswissenschaft mit einer starkenHinwendung zu ethnographischen Verfahren wahr, das seine Türenvermehrt auch für interdisziplinäre Projekte öffnet. Vielleicht odergerade deshalb werden in einzelnen Seminaren bewusst die Stärkenunseres Faches hervorgehoben. Fragen wie» Was kann unser Fach leis-ten?<<,>> Was können wir mit unserem Handwerkszeug zu bestimmtenThemen beitragen?<< das sind Fragen, die in Lehrveranstaltungenimmer wieder aufgeworfen werden. Interdisziplinarität und Internati-onalität spiegeln sich auch in der doch recht überschaubaren Gruppe anMasterstudierenden am Institut wider. Trotz der unterschiedlichen dis-ziplinären Herkünfte und auch im Wissen über die Namensproblema-tik unseres Faches war ich mir bis zu einem gewissen Zeitpunkt keinerDifferenzierung zwischen europäisch- ethnologischen, empirisch- kul-turwissenschaftlichen, kulturanthropologischen, volkskundlichen undauch populärkulturwissenschaftlichen Instituten im deutschsprachigenRaum bewusst. Eine EKW- Studentin aus Tübingen, die ich während
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