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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVII/ 116, 2013, Heft 3+ 4
einem ausgleichenden Element in dem Interessenkampf zwischenKapital und Arbeit, zwischen freien Berufsarten und den wirt-schaftlich unmittelbar schaffenden Volksklassen<<. 24
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In eben diesem Sinne positioniert die materielle und ikonografi-sche Ausstattung der Versorgungsheimkirche den» Handwerkerstand«<als das symbolische Zentrum der Gemeinde Wien. Sozialhistorischgesehen, befinden wir uns hier an einem wichtigen Umschlagpunkt:Zwischen 1848 und 1871 entstand so Hans Ulrich Wehler in sei-ner auf Deutschland bezogenen Analyse als Zerfallsprodukt desalten Stadtbürgertums das moderne Kleinbürgertum, und damit eine>> durchaus neue Sozialformation aus nicht mehr rechtlich privilegier-ten, in einer städtischen Kommune zusammenlebenden Staatsbürgernin den mittleren und unteren Einkommensklassen, deren Angehörigeeine eigentümlich traditionalistische, rückwärts orientierte Mentalitätauf lange Zeit beibehielten«<. Sie definierten sich emphatisch als»> Mit-telstand<< und als» gleichsam natürliches Zentrum der Gesellschaft,als einen ihrer stabilen Grundpfeiler, als Verkörperung sozialer Nor-malität«<. 25 Im Wien der Jahrhundertwende unter Bürgermeister KarlLueger formierte sich dieses Kleinbürgertum nun machtvoll als poli-tische Interessenvertretung; der Prozess der Verwandlung des altenStadtbürgertums in ein mehr oder weniger scharf profiliertes Milieuwar- zumindest für Wien abgeschlossen. Das Interieur der Ver-sorgungsheimkirche liefert sozusagen die ideologische Bildstreckezu diesem sozialhistorischen Vorgang. Es ist als eine Illustration deschristlichsozialen Parteiprogramms zu verstehen, das auf eine Vorstel-lung vom Handwerk als der imaginären Mitte der Gesellschaft ebensorekurriert wie auf christliche Herleitungen bürgerlicher Wertemuster.Zugleich manifestiert sich in der Ästhetik und Ausstattung des Bausdurchweg die von Wehler genannte» eigentümlich traditionalistische,rückwärts orientierte Mentalität«<, die das entstehende Kleinbürgertumin seinem Kampf gegen politische wie kulturelle Modernisierung und
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Zit. nach Robert Kriechbaumer: Die großen Erzählungen der Politik. PolitischeKultur und Parteien in Österreich von der Jahrhundertwende bis 1945. Wien,Köln, Weimar 2001, S. 305.
Hans- Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Dritter Band: Von der>> Deutschen Doppelrevolution«< bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. Mün-chen 1995, S. 130-131.