Aufsatz in einer Zeitschrift 
Apotheose des Kleinbürgertums : die Versorgungsheimkirche in Lainz
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVII/ 116, 2013, Heft 3+ 4

Inbegriff einer vorindustriell- bürgerlichen, ständisch- familiären undchristlichen Stadt, beruhend auf Autorität, Paternalismus, Vätererbeund christlich- katholischem Wertgefüge«.20 Paradigmatisch für diesensoziokulturellen Komplex stand das lokal eingesessene Handwerk, dasim Innenraum der Versorgungsheimkirche in mehrfachem Sinne ver-ewigt ist. Zum einen präsentiert sich der Raum in seiner gediegenenAusstattung als ein glänzendes Stück Handwerkskunst: Vom polychro-men Zierdachstuhl über die Kirchenfenster, von den Kunstschmiede-arbeiten bis hin zur Elektrik²¹ ist hier alles sorgfältig gearbeitet undvermittelt die Anmutung eines gekonnten Brückenschlags zwischenTradition und Modernität, so wie er Luegers kommunalpolitischesProgramm insgesamt prägte. Zum anderen aber wird das Handwerkauch explizit im Raum thematisiert: So zieht sich über die gesamteInnenwand der Kirche vom Chorbereich bis zur Orgelempore- einbuntes Band aus 130 Handwerks- und Gewerbewappen,» welche diealte geschlossene Bürgergemeinde darstellen sollten«. 22 In der Gedenk-schrift zur Eröffnung des Versorgungsheims heißt es 1904 dazu:

» Die meisten der vorliegenden Wappen mußten ganz neu geschaf-fen werden, weil die betreffenden Genossenschaften vormalsentweder überhaupt nicht bestanden oder, obgleich seit alters-her bestehend, wenigstens auf Wiener Boden ein Siegelbild oderWappen nie geführt hatten. In solchen Fällen die Wünsche derGenossenschaften mit den Regeln der alten, konservativen Kunstder Herolde in Einklang zu bringen, war mitunter, wie leichtbegreiflich, gerade keine leichte Aufgabe, und manches Wappen-bild konnte überhaupt nur auf dem Wege gegenseitigen Nachge-bens zustande gebracht werden. Darin mögen strenge Kritiker den

20 Wolfgang Maderthaner, Lutz Musner: Die Anarchie der Vorstadt. Das andereWien um 1900. Frankfurt a. M. 1999, S. 189.

21 Zur Elektrifizierung des Versorgungsheimkomplexes vgl. Dont( wie Anm. 16),S. 26-28. Überhaupt war das Versorgungsheim zur Erbauungszeit auf demaktuellen Stand der Gebäudetechnik:» Lainz war nicht nur völlig elektrifiziert,inklusive Beleuchtung und Liftanlagen, und hatte nicht nur das modernste Tele-fon- und Kommunikationssystem Wiens, sondern auch ein eigenes Schienenver-kehrsnetz, das alle Gebäude des Komplexes mit einbezog und dem Transportvon Essen und Gütern diente«. Boyer( wie Anm. 7), S. 199.Ebd., S. 199.

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