Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde116 (2013) / N.S. 67Ploder, Andrea; Stadlbauer, Johanna: Autoethnographie und Volkskunde?

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Autoethnographie und Volkskunde? : zur Relevanz wissenschaftlicher Selbsterzählungen für die volkskundlich-kulturanthropologische Forschungspraxis
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Andrea Ploder, Johanna Stadlbauer, Autoethnographie und Volkskunde?

>> Eingreifen, Kritisieren, Verändern«< 94 verbinden.95 Arenen der Betäti-gung von WissenschaftlerInnen, die auch mit politischen AkteurInnenzusammenarbeiten oder selbst»> interventionistisch« tätig sind, sindunter anderem die kritische Migrationsforschung, die Geschlech-terforschung oder die Arbeitsforschung. Ina- Maria Greverus, dieschon in den 1970ern eine Volkskunde als eingreifende Wissenschaftforderte, weist darauf hin, dass es angesichts des» ganz alltäglichenElends heute durchaus als unterlassene Hilfeleistung interpretiertwerden könnte, sich nicht mit gesellschaftlichen Problemlagen ausein-anderzusetzen und an ihrer Verbesserung mitzuwirken.99

94 Vgl. Beate Binder u.a.( Hg.): Eingreifen, Kritisieren, Verändern!? Interventionenethnographisch und gendertheoretisch. Münster 2013.

95 Einige von ihnen unterziehen auch diese Motivation einer kontinuierlichen kri-tischen Reflexion. Zur fundierten Auseinandersetzung mit» engaged anthro-pology<< siehe die Ausgaben von» Current Anthropology« von 2010, darin zumBeispiel Kamari M. Clarke: Toward a Critically Engaged Ethnographic Practice.In: Current Anthropology 51, 2010, S 2, S. S. 301-$ 312.

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Zu nennen ist hier beispielsweise das Labor Migration am Institut für Europäi-sche Ethnologie in Berlin. Es vernetzt ForscherInnen im Institut und Expertisevon außerhalb. Auch das Netzwerk Kritische Migrations- und Grenzregimefor-schung, das von Sabine Hess koordiniert wird, dient explizit der Vernetzung vonForscherInnen mit AktivistInnen, KünstlerInnen und NGO- VertreterInnen undfordert»[...] die Überschreitung disziplinärer Grenzen zwischen Wissenschaft,Kulturproduktion und Politik/ Aktivismus als auch zwischen den verschiedenenwissenschaftlichen Disziplinen. Dabei geht es darum, einen alternativen, dialo-gisch- solidarischen, reflexiven Wissens- Raum zu eröffnen[...]«, vgl.» Das Netz-werk«<, http://kritnet.org/( Zugriff: 15.11.2013).

97 Hier hat sich insbesondere Elisabeth Katschnig- Fasch für Positionen starkgemacht, die Verantwortung im Wissenschaftsfeld auch als eine politische auf-fassen, vgl. Katschnig- Fasch( wie Anm. 82), S. 101-106: Sie verwies in einemTagungskommentar unter anderem auf Bourdieus Text Gegenfeuer, Wortmel-dungen im Dienste des Widerstands gegen die neoliberale Invasion. Konstanz21998.

98 Vgl. Elisabeth Katschnig- Fasch( Hg.): Das ganz alltägliche Elend. Begegnungenim Schatten des Neoliberalismus. Wien 2003.

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Auch Greverus argumentiert mit Rückgriff auf Pierre Bourdieu und ElisabethKatschnig- Fasch, vgl. Ina- Maria Greverus: Über die Poesie und die Prosa derRäume. Gedanken zu einer Anthropologie des Raums. Berlin, Münster 2009,S. 164.

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