Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde116 (2013) / N.S. 67Ploder, Andrea; Stadlbauer, Johanna: Autoethnographie und Volkskunde?

  
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Autoethnographie und Volkskunde? : zur Relevanz wissenschaftlicher Selbsterzählungen für die volkskundlich-kulturanthropologische Forschungspraxis
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVII/ 116, 2013, Heft 3+ 4

es unter anderem, die immer wieder den Fokus auf Fragen der Herr-schaftsbeziehungen im Feldforschungprozess einmahnte, dabei aberauch alternative,» postmoderne« Wege der Beschreibung kritisch unterdie Lupe nahm:» Auch wenn so manche meinen, daß Vielstimmigkeitdie beste Lösung zu sein verspricht, überhaupt noch etwas sagen zukönnen, es geht um eine Haltung, eine bestimmte Ethik des handeln-den Forschens und des Schreibens; nicht darum, ein neues Stilmittel zufinden, um sich( in alter Machtmanier), in die Nähe zu schreiben<, wiedies die Textualisten empfehlen, sondern sich einer Auseinanderset-zung mit unserem Gegenüber zu stellen, in einen Dialog zu treten.<< 83Die autoritäre Rolle des» Souveräns der Datenerhebung« 84, der überdie ForschungsteilnehmerInnen hinweg schreibt, mittels einer interak-tiven und dialogischen Forschungshaltung( ethnographisches Wissenwird kollaborativ mit Beforschten generiert) zu überwinden, wurdeund wird in den einschlägigen Methodentexten häufig gefordert.85

Emanzipatorischer Anspruch: Ein weiterer Anknüpfungspunkt istdie in Teilen der autoethnographischen Community verbreitete Über-zeugung, dass Forschung einen gesellschaftsverändernden, emanzipa-

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Elisabeth Katschnig- Fasch: Kommentar zur Tagung. In: Löffler( wie Anm. 66),S. 101-106, hier S. 103.

Eine Formulierung, die Elisabeth Timm in der Diskussion zu ihrem Vortrag( imRahmen der Tagung» Äußerungen. Die Oberfläche als Gegenstand und Perspek-tive der Europäischen Ethnologie«, Innsbruck 2012) gebraucht hat, vgl. ElisabethTimm: Bodenloses Spurenlesen. Überlegungen zur Metapher der Tiefe in derqualitativen Methodik der Kulturanthropologie; vgl. die Publikation dazu Eli-sabeth Timm: Bodenloses Spurenlesen. Probleme der kulturanthropologischenEmpirie unter den Bedingungen der Emergenztheorie. In: Timo Heimerdinger,Silke Meyer( Hg.): Äußerungen. Die Oberfläche als Gegenstand und Perspek-tive der Europäischen Ethnologie. Beiträge der dgv- Hochschultagung vom 28. bis30. September 2012 am Institut für Geschichtswissenschaften und EuropäischeEthnologie an der Universität Innsbruck(= Buchreihe der Österreichischen Zeit-schrift für Volkskunde, 26). Wien 2013, S. 49-75.

85 Vgl. Rolf Lindner: Die Angst des Forschers vor dem Feld. Überlegungen zur teil-nehmenden Beobachtung als Interaktionsprozess. In: Österreichische Zeitschriftfür Volkskunde 77, 1981, S. 51-66; Utz Jeggle( Hg.): Feldforschung(= Unter-suchungen des Ludwig- Uhland- Instituts der Universität Tübingen im Auftragder Tübinger Vereinigung für Volkskunde, 62). Tübingen 1984; Ina- MariaGreverus: Performing Culture. To be is to be spoken with. Abstract. In: Cor-nelia Rohe, Christian Giordano, Ina- Maria Greverus( Hg.): Reflecting CulturalPractice. The Challenge of Fieldwork(= Anthropological journal on Europeancultures, 6). Frankfurt a.M. 1998, S. 11-16.