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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVII/ 116, 2013, Heft 3+ 4
che und emotionale Irritationen im Feld nicht verleugnet, sondern alsMaterial nutzbar macht.72 Vor allem Übertragungsvorgänge im Sinnedes Ethnologen, Psychoanalytikers und Begründers der Ethnopsycho-analyse Georges Devereux spielten dabei eine wichtige Rolle.73 DieEthnopsychoanalyse bildet für manche FachvertreterInnen eine wich-tige Grundlage ihres Arbeitens, wird aber allgemein eher als Rander-scheinung wahrgenommen.74 Elisabeth Katschnig- Fasch verstand sieals unverzichtbaren Bestandteil von Feldforschungen,»[...] weil sichGehemmtheit und Angst, Widerstand und Abwehr in jeder Begeg-nung, vor allem in einem wie auch immer hierarchisierten Prozesszwischen Forschenden und Beforschten einnistet und unbedacht zublinden Flecken und falschen Schlüssen führt.<< 75
In der gegenwärtigen volkskundlich- kulturanthropologischen Dis-kussion ist trotz der beschriebenen Aufgeschlossenheit gegenüber demforschenden Subjekt das Bemühen evident, dem Vorwurf der» Nabel-schau<< vorzubeugen76- dem Verdacht, man wolle» die Begegnung mitder rauhen Wirklichkeit des> Feldes< durch den Reiz der Selbstbeob-achtung ersetzen, was letztlich einfacher und dankbarer ist«< 7. Wasgenau als» narzisstische Haltung« in der Forschung gelten muss, ist
72 Zum Beispiel: Utz Jeggle: Geheimnisse der Feldforschung. In: Heide Nixdorff,Thomas Hauschild( Hg.): Europäische Ethnologie. Theorie- und Methodendis-kussion aus ethnologischer und volkskundlicher Sicht. Berlin 1982, S. 187-204,hier S. 187.
73 Vgl. George Devereux: Angst und Methode in den Verhaltenswissenschaften.Frankfurt a. M. 1984.
74 Vgl. Elisabeth Timm: Zur Einleitung: Kulturanalyse, Psychoanalyse, Sozial-forschung- Einblicke in die volkskundliche Kulturwissenschaft. In: ElisabethTimm, Elisabeth Katschnig- Fasch( Hg.): Kulturanalyse, Psychoanalyse, Sozial-forschung. Positionen, Verbindungen und Perspektiven: Beiträge der Tagungdes Instituts für Europäische Ethnologie der Universität Wien, des Instituts fürVolkskunde und Kulturanthropologie der Universität Graz und des Vereins fürVolkskunde/ Österreichisches Museum für Volkskunde in Wien vom 23. bis 25.November 2006. Wien 2007, S. 113-124, hier S. 120.
75
Elisabeth Katschnig- Fasch: Begrüßung. In: Timm, Katschnig- Fasch( wie Anm.74), S. 107-112, hier S. 110.
76 Vgl. unter anderem Eisch( wie Anm. 69), S. 36; oder Beate Binder, Sabine Hess:Intersektionalität in der Europäischen Ethnologie. In: Sabine Hess, NikolaLangreiter( Hg.): Intersektionalität revisited. Empirische, theoretische undmethodische Erkundungen. Bielefeld 2011, S. 15-54, hier S. 40, FN 82.
77
Bourdieu( wie Anm. 25), S. 366.