Andrea Ploder, Johanna Stadlbauer, Autoethnographie und Volkskunde?
Die Krisen der Feldforschung 66, der Repräsentation67 und des eth-nologischen Selbstvertrauens68, die Anlass für eine Selbstbefragungvieler ethnologischer Disziplinen gaben, wurden und werden auch inder Volkskunde/ Kulturanthropologie rezipiert. Brigitta Schmidt- Lau-ber identifiziert die Beschäftigung mit dem forschenden Ich und sei-ner Beziehung zu den Erforschten als wichtigen Strang der durch dieseKrisen ausgelösten Diskussionen. Als Folgen für das Fach sieht sieunter anderem die Auseinandersetzung mit der Ethnopsychoanalyse,das Bemühen um Forschungssupervision an einigen Instituten sowieveränderte methodische Prämissen und veränderte Vorgaben für dieDarstellung von Forschung.69
Als Konsequenz dieser Entwicklungen kommt der Subjektivitätder Forschenden mittlerweile erhöhte Aufmerksamkeit zu.70 In derdeutschsprachigen Volkskunde/ Kulturanthropologie wird insbeson-dere den ForscherInnen um Utz Jeggle das Bemühen um verstärkteAuseinandersetzung mit Subjektivität und methodische Reflexioneigener Erfahrungen im Feld zugeschrieben.71 Jeggle beschreibt invielen seiner Texte anschaulich einen Zugang, der subjektive, sinnli-
66 Vgl. Brigitta Schmidt- Lauber: Orte von Dauer. Der Feldforschungsbegriff in derEuropäischen Ethnologie in der Kritik. In: Sonja Windmüller( Hg.): Kultur- For-schung. Zum Profil einer volkskundlichen Kulturwissenschaft. Berlin, Münster2009, S. 237-259, hier S. 239. Vgl. auch Rolf Lindner: Von der Feldforschung zurFeld- Forschung. In: Klara Löffler( Hg.): Dazwischen. Zur Spezifik der Empirienin der Volkskunde. Hochschultagung der Deutschen Gesellschaft für Volkskundein Wien 1998. Wien 2001( Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Eth-nologie der Universität Wien, 20), S. 13–16.
67 Vgl. Eberhard Berg, Martin Fuchs( Hg.): Kultur, soziale Praxis, Text. Die Kriseder ethnographischen Repräsentation. Frankfurt a. M. 1993.
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Adams, Ellis und Bochner arbeiten mit dem Begriff» crisis of confidence<<,vgl. Carolyn Ellis, Tony E. Adams, Arthur P. Bochner: Autoethnography: AnOverview. In: Forum Qualitative Sozialforschung 12, 1, 2011, S. Artikel 10, 40Absätze, hier Absatz 2.
69 Vgl. Schmidt- Lauber( wie Anm. 66), S. 239.
70 Vgl. Katharina Eisch: Erkundungen und Zugänge 1: Feldforschung. Wie man zuMaterial kommt. In: Löffler( wie Anm. 66), hier S. 35; vgl. Brigitta Schmidt- Lau-ber: Rezension zu: Katharina Eisch, Marion Hamm, Marion( Hg.): Die Poesiedes Feldes. Beiträge zur ethnographischen Kulturanalyse. Tübingen: Tübin-ger Vereinigung für Volkskunde 2001. In: H- Soz- u- Kult, 27.11.2002( http: //hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/id=2220, Zugriff: 13.2.2012).
71 Vgl. Ebd.
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