Literatur der Volkskunde
Karl Müller: Wastl Fanderl. Volkskultur im Wandel der Zeit
(= Quellen und Schriften zur Volksmusik, QSV 19).Salzburg: Otto Müller Verlag 2012, 450 Seiten, zahlreiche Abb.
Die Presseinformation des Otto Müller Verlags kündigt den Bandwie folgt an:>> Die umfassende Biographie des bekannten bayerischenVolksliedsängers, Volksmusikpflegers und Moderators Wastl Fan-derl.<< Verfasst hat diese Lebensgeschichte der an der Universität Salz-burg wirkende Literaturwissenschaftler Karl Müller, herausgegebenwurde sie vom Volksmusikarchiv Oberbayern, dessen Fördervereinauch einen Teil der Finanzierung übernommen hatte.
Der Name Fanderl ist dem Rezensenten erstmals 1966 in einemSeminar des damaligen Ordinarius für Volkskunde an der Wiener Uni-versität, Richard Wolfram, begegnet, in einem Referat zum Thema» Volkslied«<. Nach dessen Ende fragte der wissbegierige Student denProfessor, wie man denn» Volkslied« definiere, worauf er die auf-schlussreiche Antwort erhielt,» das spüre, das fühle« man eben.
Daran erinnerte er sich bei der Lektüre des in mehrfacher Hinsichtgewichtigen Buches über Leben und Wirken von Sebastian(» Wastl«)Fanderl( 1915-1991), der eben das richtige» Gspür« hatte, das ihm sei-nen Lebensunterhalt sicherte, war er doch außer Sänger, Pfleger undModerator noch Sammler, Autor, Verleger und ab 1973 bayerischerAmtsträger( als erster Volksmusikpfleger des Bezirkes Oberbayern),was ihn schließlich, nochmals der Verlag,» zu einer einflussreiche[ e] nPersönlichkeit der bayerischen und alpenländischen Volkskulturbewe-gung des 20. Jahrhunderts machte.<<
Auf die Biographie des gelernten Friseurs, der schon als Schüler( dank einer wohl eher legendenhaften Begegnung mit seinem Vor-bild Kiem Pauli, der wichtigsten Person der frühen oberbayerischenVolksliedpflege) Kontakte zur einschlägigen Musik- und Kulturszeneknüpfte, auf seinen Einstieg in diese in den 1930er Jahren als» Orga-nisator und kreativer Veranstaltungsplaner« sowie auf seinen Aufstiegzum» Volksmusikpapst«( den er nicht nur seinen Singwochen und denunzähligen Gruppenauftritten im In- und Ausland verdankte, sondernauch, vielleicht sogar primär, der langjährigen Präsenz in Rundfunkund Fernsehen) ist an dieser Stelle nicht weiter einzugehen- darüberinformieren die drei Hauptkapitel des Buches( S. 31–271): Herkom-men- Familie, Kindheit, Jugend; Volkskultur während der NS- und
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