338
Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVII/ 116, 2013, Heft 1+ 2
nächst an MusikpädagogInnen, später dann auch an Doktorand Innen.Sie empfand es laut eigener Aussage als ein Privileg, an einer Kunst-universität unterrichten zu dürfen:» Es ist spannend, an einer Kunst-universität Wissenschaft zu betreiben, weil sie in hohem Maß vonschöpferischen Anregungen getragen wird. Der Musiker, der täglichdamit umgeht, durch konkrete Interpretation den Sinn der Musik dar-zustellen, nähert sich auch der Wissenschaft sehr praxisbezogen. Wirwissen aber, wie vorsichtig man mit diesem Praxisbezug gerade bei derVolksmusik umgehen muss. Die Aufgabe unseres Instituts sehen wirdaher nicht allein darin, das Wissen über unseren Forschungsgegen-stand zu vermehren, sondern auch und zuallererst in der Aufgabe, diekritische Auseinandersetzung damit zu fördern<<. ³
Gerlinde Haid hat die Wissenschaft an der Universität für Mu-sik und darstellende Kunst wesentlich geprägt. Sie war die Vorsit-zende der Studienkommission Doktorat als das erste Curriculum fürdas PhD- Studium entwickelt wurde; ein langwieriger und mühsamerProzess, letztendlich gekrönt von Erfolg. Sie war Wissenschafterin mitLeib und Seele und ihr wacher und kritischer Geist prägten die wissen-schaftlichen Diskurse im Haus. Sie war innovativ und aufgeschlossen,streitbar und beharrlich. Ich erinnere mich mit Freude und Dankbar-keit an unsere fachlichen Auseinandersetzungen, die mit der Einfüh-rung des Doktoratsstudiums und mit meiner Habilitation im FachEthnomusikologie begannen. Durch die Erweiterung des Instituts-namens und des Forschungsfeldes standen wir zwangsläufig vor derAufgabe, uns mit den Fachdefinitionen beschäftigen zu müssen, wasauch eine Aufarbeitung der Fachgeschichte mit sich brachte. Gerlindevertrat dabei die» Volksmusikforschung«< deutschsprachiger Prägungund ließ uns an ihrem reichen Wissen über Geschichte und Metho-dik dieses Faches teilhaben. Mein Part war es, die» Ethnomusikologie<<als aus der vergleichenden Musikwissenschaft hervorgegangenes Fachzu beleuchten. Wir taten dies in einem legendären Teamteaching imDissertantInnenseminar, wo wir uns auch oft nicht einig waren. Wirhaben bei unseren Disputen voneinander gelernt und die Studierendenebenso. Ich vermisse diese intellektuelle Herausforderung, den Dialogmit einer so umfassend gebildeten und wissenden Kollegin, die es ver-
3 http://www.mdw.ac.at/ive( Zugriff: 26.3.2013).