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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVII/ 116, 2013, Heft 1+ 2
1938 und 1939
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Damalsgelangten auch Teile der SammlungMautner ins Museum, darunter ein Foto, süffisant als» Lichtbild mitJüdinnen in Tracht«< verzeichnet. Die Abgebildeten- Anna Mautner,Konrad Mautners Frau und Mautners Schwestern Marie und Katha-rina- werden sich wohl eher als» Österreicherinnen in Tracht<< gefühlthaben. Aber so konnte man sich täuschen.'
Auch Rudolf Trebitschs Bruder, ebenfalls Arthur mit Namen, gingseinen Weg gegen sich selbst. Er wurde nicht depressiv, er wurde ver-rückt. Als Schriftsteller gescheitert, wurde er schon während des Ers-ten Weltkriegs zum antisemitischen Demagogen, auf die schleichendeAusgrenzung reagierte er mit seiner eigenen Offensive, Schriften vol-ler Selbsthass. Auf die Schizophrenie einer öffentlichen Stimmung( fürdie Haberlandt nur ein typisches Beispiel unter Millionen ist), auf dieDoppelbotschaften jener, für die der einzelne Jude mal ein Mensch, jaein»> Freund«<, und mal nur das Exemplar einer dämonisierten Gattungwar, auf diesen gesellschaftsfähigen Wahnsinn reagierte er mit patholo-gischem Wahnsinn und wurde tatsächlich schizophren- und starb 1927.
Ganz frei von Selbsthass ist auch Eugenie Schwarzwald nicht ge-blieben. 1931 schreibt sie in einem privaten Brief mit einigem, nochinterpretationsbedürftigen Sarkasmus:» Was mich, die ich ehrlich an-tisemitisch bin, am meisten ärgert, ist die Tatsache, daß ein Jude, auchwenn er kein Talent und keinen Charakter hätte, wohl aber die Fehlerund die Schwierigkeit seiner Rasse, unbedingt zum Ziel gelangt. DieJudenfrage ist deshalb unlösbar, weil die Gastvölker nur schlechte Ju-den haben wollen.<< 8
1938 ist das» Liebsein« auch für Eugenie Schwarzwald zu Ende.Als Jüdin flieht sie, die wie Eugenie Goldstern in der heutigen Ukrainegeboren wurde, in die Schweiz. Nur zwei Jahre später, 1940, stirbt siedort im Exil.
7 Siehe dazu den gleichnamigen Katalog zur Ausstellung Von Dreideln, Mazzesund Beschneidungsmessern. Jüdische Dinge im Museum, hg. von Birgit Johlerund Barbara Staudinger. Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien 2011,
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S. 66 f.
Eugenie Schwarzwald an Hans Deichmann, 3.11.1931. In: Hans Deichmann: Le-ben mit provisorischer Genehmigung: Leben, Werk und Exil von Dr. EugenieSchwarzwald( 1872-1940). Berlin 1988, S. 229.