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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVII/ 116, 2013, Heft 1+ 2
man langsam zur eigenen Kulturhöhe erziehen müsse? Was dachte Mi-chael Haberlandt über seine jüdischen» Schüler« und Sponsoren, wenner wirklich Tachles redete? Was war das für eine» freundschaftlicheVerbindung<< die noch bis heute immer wieder beschworen wird? Wasmeinte Michael Haberlandt zum Beispiel mit seiner kryptischen For-mulierung, es habe Trebitsch» auf der Welt nicht gefallen«<? Wusste ernichts davon, dass Trebitsch, der wie so viele andere versucht hatte,sich von seinem jüdischen Stigma durch Konversion zu befreien, alsMilitärarzt mit allen Schrecken des Krieges konfrontiert wurde?
Bis heute ist umstritten, warum sich Trebitsch am 9. Oktober 1918in Judendorf bei Graz das Leben nahm. Aber ein Jahr zuvor, 1917, hatteer in einem Aufsatz in Urania. Wochenschrift für Volksbildung gegenden wachsenden Rassismus seiner Zeit so eindeutig Stellung bezogen,wie wenig andere.» Die Vorstellung, daß es edle und minderwertigereRassen gebe, kann auch vor der Wissenschaft nicht standhalten. Wohlsind einzelne Menschheitsgruppen in ihrer Körperlichkeit vom Tiereentfernter, andere stehen ihm näher; diese Erscheinungen erlauben je-doch keine Rückschlüsse auf die Geistigkeit.(...) Es wäre endlich ander Zeit, daß auch unsere Politik ihre Folgerungen aus den Lehren derWissenschaft ziehen würde. Möge sie schließlich den schönen Wahl-spruch der französischen Revolution beherzigen, der lautet:> Freiheit,Gleichheit, Brüderlichkeit! Dann könnte ein künftiger Friede zu ei-nem ungestörten kulturellen Wettbewerb der Nationen führen, wobeiallen Völkern in gleicher Weise die Möglichkeit ihres Gedeihens gesi-chert wäre. Keine Nation würde fernerhin imstande sein, die andere zuknechten.<<<
Trebitschs Freitod in einem Ort namens Judendorf, war das einfachnur eine Folge seiner wachsenden Depressionen, so wie auch EugenieGoldsterns schrittweiser» Rückzug« ins Privatleben nach 1919, nureine Folge ihrer» Depressionen«<? Hatten diese Depressionen nur miteiner angeborenen oder familiär erworbenen Überempfindlichkeit zutun? Oder hatte sie diese Überempfindlichkeit vielleicht doch etwasvon dem spüren lassen, das doch auf der Hand lag?
So sehr Haberlandt doch gönnerhaft von seinem lieben Trebitschschwärmte und väterlich- freundschaftliche Gefühle für das Fräulein
4 Rudolf Trebitsch: Rassenfragen. In: Urania. Wochenschrift für Volksbildung,28.4.1917, 10, 17, S. 212 f.