Chronik der Volkskunde
Diese Zeit erlebt Rudolf Trebitsch, nicht mehr. Auch er hat alsbegeisterter Laie wissenschaftliches Neuland betreten, hat sich mitaussterbenden» Kulturen« und» bedrohten Völkern« am West- undNordrand Europas beschäftigt, reiste nach Grönland und nach Island,Irland und Wales, ins Baskenland und nach Schottland. Seine fotogra-fischen Aufnahmen, seine Tondokumentationen und Sprachstudien,seine Schilderungen von Hochzeitsbräuchen und Ökonomie, wie auchseine Sammeltätigkeit sind von einer produktiven und zugleich naivenNeugier gekennzeichnet, die zum Wissenschaftsbetrieb querliegt. WieGoldstern geht es ihm nicht um eine paternalistische, mal väterlich-milde, mal strenge Volkskunde der Völker der Monarchie, sondernum einen universellen Versuch, menschliches Alltagshandeln in ihrerWechselwirkung zwischen Ökonomie und Kultur zu erfassen. Auchihm geht es dabei nicht um Hierarchien und Überlegenheitsbeweise.
Eugenie Schwarzwald lässt sich von der Begeisterung, die sie hierin der Laudongasse spürt, nicht blind machen für die blinden Fleckendieses» Liebseins«. Sie lässt Haberlandt senior reden. Woher hatte erdenn die Mittel, zu sammeln, woher kam das Geld für sein Museum?
>> Man hat es mir geschenkt. Der Staat(...) hatte keines. Aber im-mer haben sich ein paar Leute gefunden, die mir privat etwas gege-ben haben. Sehen Sie, dieses Relief stellt meinen Schüler Dr. RudolfTrebitsch vor, der hat mir immer was gegeben. Leider hat es ihm aufder Welt nicht gefallen, und da hat er sich umgebracht. Dann nennter noch mit glühender Dankbarkeit einige Namen. Außer der FamilieSchoeller, die augenscheinlich schon immer gewußt hat, daß Reichtumobligiert, und dem Fürsten Liechtenstein sind es lauter jüdische Na-men. Was sehr erstaunlich ist, da ja die Juden bekanntlich kein Rechthaben, in Österreich ihr Vaterland zu sehen und es sich hier doch umeine vaterländische Sammlung handelt.<< ³
Was für ein Klima herrschte in den Räumen dieser vaterländischenSammlung, an der so viele Juden arbeiteten, noch mehr, ihr Geld lassendurften, oder beides, wie Trebitsch und Goldstern und Mautner, derenSpenden das Museum insbesondere am Leben hielten? Was war dasfür eine vergleichende Volkskunde, die gönnerhaft- kolonialistisch da-von ausging, dass die deusch- österreichische Kultur himmelweit überden Kulturen anderer, z.B. der slawischen Völker thronen würde, die
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Ebd.
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