258 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVII/ 116, 2013, Heft 1+ 2
Das Bajonett- ein archäologischer Fund aus dem Museumsgarten
Einen ungewöhnlichen archäologischen Fund im Garten des Volkskun-demuseums verdanken wir besonderen Umständen: Am 24. Februar2012, im Rahmen des alljährlich stattfindenden Welttages der Frem-denführer, begleitete eine Fremdenführerin einen blinden Jugendlichendurch den Garten des Volkskundemuseums und führte ihn entlang dererst kürzlich neu errichteten Gartenmauer. Dabei entdeckten sie ein ausdem Erdreich herausragendes Stück verrostetes Eisen und brachten die-ses ins Museum.
Bei dem vorliegenden Fund handelt es sich um ein Bajonett ausMetall mit einer Gesamtlänge von 48 cm. Als Bajonett bezeichnetman eine auf dem vorderen Ende des Gewehrlaufs befestigte(» aufge-pflanzte<<) Stoß- bzw. Stichwaffe in Form einer spitz zulaufenden Stahl-klinge mit Griff und Parierstange. Bajonette wurden seit der Mitte des17. Jahrhunderts in Frankreich der Name geht zurück auf die fran-zösische Stadt Bayonne – verwendet und gelangten nach und nach inden meisten europäischen Armeen in Gebrauch. Das Fundstück istinsgesamt stark korrodiert. Es besitzt eine typische Zweipunktpflan-zung, die aus dem Parierstangenring und einer Verbindung in Formeiner Bohrung am Griffende besteht. Der Parierstangenring ist eineÖffnung in der so genannten Parierstange² und dient zur Befestigungam Gewehrlauf( in der Sprache der Experten heißt dies:» Aufnahmedes Gewehrlaufes«<). Erkennbar sind die Reste des darauf befindlichenErsatzkorns. Das Korn ist eine Erhebung am Lauf und wird zum An-visieren benötigt. Das Gewehr hatte mit aufgepflanztem Bajonett eineandere Treffpunktlage und benötigte daher ein Ersatzkorn.
Der Griff des Fundstücks besteht aus korrodiertem Eisen und ist11 cm lang, die Klinge hat eine Länge von 33 cm. Laut Auskunft vonReinolf Reisinger, Konsulent der Firma Mannlicher³ und Kustos derWehrkundlichen Sammlungen des Oberösterreichischen Landesmuse-ums im Schloss Ebelsberg bei Linz, handelt es sich um ein BajonettModell 1935, das in Budapest zwischen 1935 und 1950 hergestellt wor-
1
Bajonett. In: Brockhaus- Enzyklopädie, Band 2, Mannheim 191987, S. 496.
2
Die Parierstange ist das Querstück zwischen Griff und Klinge.
3
http://www.mannlicher.at