254
Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVII/ 116, 2013, Heft 1+ 2
Zusammenhang mit dem damals populären» Vaterlandslied<< von ErnstMoritz Arndt(» Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keineKnechte[...]) und nahm Bezug auf die Kriegssammelaktion von 1813>> Gold gab ich für Eisen«<. Außerdem wurde es gedanklich mit der jungverstorbenen preußischen Königin Luise verknüpft, die eine höchstemotionalisierte Leitfigur im Kampf gegen Napoleon war. Die Formsollte an das Kreuz des Deutschen Ordens und somit an die Kreuz-züge erinnern, was seine Sakralisierung verstärkte.5 Erneuert wurdedie Auszeichnung auch im Ersten Weltkrieg, in dem sie durch dieHäufigkeit der Verleihungen als ein wirkmächtiges deutsches Natio-nalsymbol festgeschrieben wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurden runddreieinhalb Millionen Eiserne Kreuze verliehen, unter anderem für dieAusführung von Terror- und Massenmordaktionen der Wehrmachts-angehörigen im Sinne des» Rassen- und Weltanschauungskrieges«<, derspäter allein der SS angelastet wurde. In der allgemeinen Wahrneh-mung, im kollektiven Gedächtnis, blieb das Eiserne Kreuz weiterhineine Auszeichnung im Kampf für den Schutz des Volks bzw. wenigerideologisch: der Bevölkerung. Es findet sich häufig im Totengedenkenan die Gefallenen im Zweiten Weltkrieg.'
Die Verbindung mit dem christlichen Symbol der Dornenkrone,wie sie auf dem vorliegenden Tuch geschieht, ist hingegen selten. Einöffentliches Beispiel dafür ist die Gefallenenkapelle in Haaren( Ge-meinde Aachen), in der 1936 ein Eisernes Kreuz mit Dornenkrone aufdie Decke gemalt wurde gemeinsam mit dem Spruch» Wir Toten for-dern als unser Recht, den alten Treueschwur vom jungen Geschlecht<< 8,der die nationale( Blut- und Boden-) Einheit zusätzlich beschwört. DieDornenkrone allein bzw. mit anderen Passionswerkzeugen oder denEcce- Homo- Darstellungen steht für die irdischen Leiden Christi undfindet sich oft in Zusammenhang mit dem Totengedenken dargestellt.
4
5
6
7
8
Herfried Münkler: Die Deutschen und ihre Mythen. Berlin 2009, S. 269.Ebd., S. 257-273.
Dieter Pohl: Orden für Massenmord. In: Zeit online, http: //www.zeit.de/ 2008/ 24/ Eisernes- Kreuz, 8.6.2008( Zugriff: 10.4.2013).
Vgl. u.a. Christine Aka: Tot und vergessen? Sterbebilder als Zeugnis katholischenTotengedenkens. Detmold 1993, S. 184–208.
http://www.schuetzenverein-haaren.de/ehrenmal.html
( Zugriff: 10.4.2013).
Der Spruch wurde bei der Neugestaltung der Kapelle, die 1956 abgeschlossenwar, übermalt. Für den Hinweis sei Hendrik Kern dedankt.