neuer Dings
Besticktes Tuch mit Hakenkreuzen für einen Hausaltar
Im August 2011 wurde dem Österreichischen Museum für Volkskundeein besticktes Baumwolltuch( 66 × 76 cm) übergeben, das alle Muse-umsmitarbeiterinnen und-mitarbeiter beim ersten Anblick betroffengemacht hat. Drei Symbole werden in Kreuz-, Flach- und Stielstichdargestellt, wobei die Zierrahmung um das zentrale Motiv, das einEisernes Kreuz mit der Dornenkrone kombiniert, besonders hervor-sticht, besteht sie doch aus einer Aneinanderreihung von Hakenkreu-zen. Angefertigt wurde dieses Tuch 1942 von einer Frau in Vorarlbergin Erinnerung an ihren Schwiegersohn J. Sch. Dieser war drei Monatenach seiner Hochzeit mit ihrer Tochter M. Sch. 1942 bei St. Petersburg( damals Leningrad) gefallen.
J. Sch. war, wie vielen anderen Soldaten der Wehrmacht auch, dasEiserne Kreuz verliehen worden. Dieser Ordenstyp wurde ab demÜberfall auf Polen 1939 von den Nationalsozialisten als ehemals starkemotionalisiertes Nationalsymbol der Deutschen nun im Krieg wie-derentdeckt und als Auszeichnung erneuert. Ursprünglich gestiftetworden war es 1813 im Krieg gegen das napoleonische Frankreich alspreußischer Orden, der im Zuge des Deutsch- Französischen Kriegs1870/71 zu einer gesamtdeutschen Auszeichnung wurde.' Das Beson-dere an diesem Orden war, dass die Verleihung» ohne Unterschied desRanges oder Standes« ² stattfand. Von Anfang an zielte die Einsetzungdes Eisernen Kreuzes und seine Verleihungspraxis bewusst auf dieSchaffung einer nationalen Einheit: Das Metall versinnbildlichte dieZeit während der Besetzung durch die französischen Truppen, die inden Stiftungsstatuten des Ordens in Anspielung auf Ovids>> Metamor-phosen<< dezidiert als» eiserne Zeit«< ³ bezeichnet wurde. Es deutete aberauch auf die stereotype preußische Schlichtheit und Härte hin, stand in
1 Walter A. Schwarz: Das Eiserne Kreuz von 1813 bis heute. Katalog zur Sonder-ausstellung der Stadtgemeinde Deutsch- Wagram und der ÖsterreichischenGesellschaft für Ordenskunde im Heimat-, Napoleon- und Ordensmuseum inDeutsch- Wagram vom 14. Mai bis 28. November 1999. Wien[ 1999], S. 13 u.
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32-36.
Zit. aus den Statuten der ersten Erneuerung 1870 nach Schwarz( wie Anm. 1),S. 26.
Ebd., S. 20.
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