Jenseits von Oberfläche und Tiefe.Auf mathematisch- kulturwissen-schaftlicher Spurensuche¹
Ina Dietzsch und Philipp Ullmann
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Mathematik und Kulturwissenschaften scheinen auf den ersten Blickzwei völlig unterschiedliche Theorie- und Praxisfelder zu sein. Unddoch weisen sie eine grundlegende Überschneidung auf: In beidenFeldern hängen Begriffsbildung und Theoriebildung eng miteinanderzusammen bis hin zur Identifizierung. Was diese Identifizierung inden Kulturwissenschaften bedeuten kann, hat die dgv- Hochschulta-gung 2012 in Innsbruck eindrucksvoll vorgeführt. Ihr erklärtes Ziel, dieTauglichkeit und Tragweite des Begriffes der Oberfläche für die Kul-turwissenschaften auszuloten, hat eine Vielfalt theoretischer Ansätzehervorgebracht, die jeweils verschiedene Aspekte in den Blick nehmen.Und doch: Wenn Timo Heimerdinger der pejorativen Komponente desOberflächenbegriffes nachspürt, Elisabeth Timm fragt, ob und inwie-fern die Lust an bzw. das Begehren nach Tiefe( nicht) ausgedient habe,oder Alexa Färber die foto- ethnografischen Untiefen des Kulturellenauslotet immer wieder wird eine scheinbare Selbstverständlichkeit ak-tualisiert: Oberfläche wird als Gegenbegriff zur Tiefe gesetzt.
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Unsere Spurensuche im Grenzbereich von Kulturwissenschaften und Mathema-tik geht auf das Lehrprojekt Die kulturelle Macht mathematischer Darstellungenzurück, das wir im WS 2011/12 gemeinsam an der Universität Frankfurt durch-geführt haben. Die Oberfläche als Tagungsthema der dgv- Hochschultagung 2012bot uns willkommenen Anlass, Tragfähigkeit und Reichweite unserer diszipli-nenübergreifenden Forschungsperspektive exemplarisch auszuloten. Dieser Auf-satz ist Ergebnis unserer Bemühungen, einen nicht immer reibungsfreien Dialogin einer möglichst lesbaren und zugänglichen Form zu verschriftlichen. DasLehrprojekt wurde aus dem Förderfonds Lehre der Universität Frankfurt finan-ziell unterstützt, wofür wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken. Weitere Infor-mationen unter www.math.uni-frankfurt.de/~ullmann/11ws/Kulturelle Macht.