Aufsatz in einer Zeitschrift 
Landauer Pflaster-Geschichte(n) : kulturwissenschaftliche Perspektiven auf eine urbane Oberfläche
Einzelbild herunterladen
 
  

Sabine Kienitz, Landauer Pflaster- Geschichte( n)

Methodisches: Raumkonflikte als Medium der Kulturanalyse

Eine körperlich vermittelte Raumwahrnehmung und das leiblichgefühlte»> im Raum sein«< 28 ethnografisch zu erfassen, erweist sich invielen phänomenologisch ausgerichteten Studien als zentrales metho-disches Problem, das nur allzu häufig über autoethnografische Zugängegelöst wird.29 Es bieten sich aber auch andere Möglichkeiten an. Soentbehren historische wie auch aktuelle Konfliktsituationen zwarebenfalls der Systematik, sie eignen sich aber als Sonde und quasi ex-plorativer Zugang zur Untersuchung von kulturellen Phänomenenund Handlungsfeldern.30 Unter methodischen Gesichtspunkten stellenKonflikte ein produktives Medium der Kulturanalyse dar, da sie dasscheinbar Selbstverständliche fremd und zugleich sichtbar machen, dasie die Aufmerksamkeit sowohl der Forscherin als auch der jeweils be-teiligten AkteurInnen auf Brüche im Alltag lenken und diese, also diekonkret Beteiligten, dazu herausfordern, zu agieren und die Problemeund das eigene Selbstverständnis, die ansonsten stumm bleibendenAnsprüche, Erfahrungen und Deutungen im Umgang mit den Dingennunmehr konkret zu formulieren. Neben dem Aspekt der politischen( Streit-) Kultur und der Frage, wie und in welchen Formen Konfliktezwischen AkteurInnen ausgetragen werden Konflikt hier also ver-standen als eine produktive Form der kulturellen Praxis- geht es mirdarum, was diese Konflikte über das Selbstverständnis der Akteure wieauch über den Gegenstand selbst aussagen sowie z. B. über den Be-zug der BewohnerInnen zu ihrem gebauten städtischen Umfeld. Sol-che Konflikte über die Zugänglichkeit von Räumen können

-

mehr

28 Vgl. dazu Selle( wie Anm. 2).

29 Vgl. dazu Hiebsch u.a.( wie Anm. 13); Hasse 2002( wie Anm. 13); Funke- Wiene-ke( wie Anm. 13). Auch Selle geht von eigenen Wahrnehmungserfahrungen sowieKindheitserinnerungen aus, vgl. Selle( wie Anm. 2).

30 Vgl. dazu auch den Band von Helmuth Berking( Hg.): Negotiating Urban Con-flicts. Interaction, Space and Control. Bielefeld 2006; Auch Setha Low beziehtsich in ihrer Analyse der Verräumlichung von Kultur auf Konflikte über die ma-terielle Gestaltung von Räumen( Holz vs. Beton). Der Konflikt über die architek-tonische Gestaltung eines Kiosks» reveals a struggle over the social constructionof the meaning and appropriate use of public space.«< Dies.: Spatializing Culture.The Social Production and Social Construction of Public Space in Costa Rica. In:Dies.( Hg.): Theorizing the City. The New Urban Anthropology Reader. NewBrunswick u.a. 1999, S. 111-137, hier. S. 122.

185