Aufsatz in einer Zeitschrift 
Landauer Pflaster-Geschichte(n) : kulturwissenschaftliche Perspektiven auf eine urbane Oberfläche
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Sabine Kienitz, Landauer Pflaster- Geschichte( n)

eben die Bewegungsformen der menschlichen Akteure. 13 Bei all die-sen sinnlich- ethnografischen Überlegungen zum Zusammenhang zwi-schen gebauter und gelebter Stadt im Sinne Henri Lefebvres hat nunallerdings die konkrete Materialität der Stadt selbst und vor allem dieBodenoberfläche der Stadt als zentrale Schnittstelle einer Interaktionzwischen Menschen und Dingen bisher kaum eine Rolle gespielt. Einewichtige Ausnahme ist die Studie von Simone Wörner zum Asphalt,der als Baustoff wie auch als Topos von Urbanität ein zentraler Be-standteil eines Modernisierungsdiskurses im späten 19. und frühen 20.Jahrhundert war und dabei zugleich als Symbol eines konflikthaftenVerhältnisses der Stadt zur Moderne fungierte. 14 Der einsetzende» As-phaltwiderwillen«<, so Wörners These, korreliere eben mit dem Trendim 20. Jahrhundert, mit dem Pflaster oder» zumindest einem an Pflas-ter gemahnenden Bodenbelag« den bürgerlich- gemütlichen Dorfkernder> guten alten Zeit< heraufzubeschwören. 15 Inwieweit mit dieser Be-schreibung das spezifische Phänomen und der Gestaltungsbedarf derneuen autofreien Innenstädte in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg

schke( Hg.): Straße als kultureller Aktionsraum. Interdisziplinäre Betrachtungendes Straßenraumes an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis. Wiesbaden2009, S. 31-57. Im Mittelpunkt steht das» Potential der sinnlichen Komponenteurbaner Raumerfahrung«<, das von StadtforscherInnen bisher» nur spärlich er-kannt und aufgegriffen« worden sei, ebd., S. 33. In der konkreten Umsetzungdieser Studie beschränkt sich sinnliche Wahrnehmung allerdings auf das Hörenund Riechen, die Bewegung des Körpers beim Gehen wird letztlich doch wiederauf die Frage der visuellen Wahrnehmung reduziert, ebd., S. 44–48; vgl. auchJulia Fleischhack: Urbane Bewegungsgeographien. Raum als Koordinate subjek-tiver Erfahrungsdimension. In: Vokus. Volkskundlich- KulturwissenschaftlicheSchriften 15, 2005, H. 2, S. 17-30; Jürgen Funke- Wieneke: Sich Bewegen in derStadt. Eine Besichtigung mit Maurice Merleau- Ponty. In: Ders., Gabriele Klein( Hg.): Bewegungsraum und Stadtkultur. Sozial- und kulturwissenschaftliche Per-spektiven. Bielefeld 2008, S. 75-97; Jürgen Hasse: Die Atmosphäre einer Straße.Die Drosselgasse in Rüdesheim am Rhein. In: Ders.( Hg.): Subjektivität in derStadtforschung. Frankfurt a.M. 2002, S. 61–114; vgl. dazu Kazig( wie Anm. 5).14 Vgl. dazu Simone Wörner: Asphalt- Stoff der Großstadt. In: Thomas Hengart-ner, Johanna Rolshoven( Hg.): Technik- Kultur. Formen der Veralltäglichungvon Technik- Technisches als Alltag. Zürich 1998, S. 121-139; anknüpfend da-ran vgl. auch Jens Wietschorke: Glänzender Asphalt und unsicheres Pflaster inder Stadt der Moderne. In: Industriekultur 3, 2012, S. 2-3.Wörner( wie Anm. 14), S. 139.

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16 Vgl. dazu auch die historische Darstellung bei Martin Scharfe: Straße. EinGrund- Riß. In: Zeitschrift für Volkskunde 79, 1983, S. 171–191; Gudrun Schwib-

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