Aufsatz in einer Zeitschrift 
Landauer Pflaster-Geschichte(n) : kulturwissenschaftliche Perspektiven auf eine urbane Oberfläche
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVII/ 116, 2013, Heft 1+ 2

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gungsform, sondern vor allem auch als Ort und räumliche Bedingungfür die Erfahrung von Urbanität von Bedeutung war. Beide Studienverweisen in historischer Perspektive ganz grundsätzlich auf die Frage,inwieweit Urbanität bzw. die Deutung dessen, was die AkteurInnenim jeweiligen historischen Kontext unter» Urbanität«< und einem städ-tischen Lebensgefühl verstanden haben" untrennbar verbunden istmit Vorstellungen und Erfahrungen einer materialisierten räumlichenOrdnung und ganz konkret auch mit der Gestaltung des Bodenbelags,der die Bewegung im urbanen Raum und die mentale wie auch prak-tische Aneignung von Stadt nicht nur ermöglichte, sondern durchausauch erzwang. Hier ist mit der Frage anzuknüpfen, welche kulturellenKonventionen, Deutungsmuster und Regeln zur Gestaltung des städ-tischen Bodenbelags sich historisch entwickelt haben und wie diesesowohl diskursiv verhandelt als auch praktisch umgesetzt wurden, in-wieweit also Vorstellungen von und Erwartungen an Urbanität überdie Wahrnehmung und Deutung der Materialität von Oberflächen ge-formt und ausgehandelt wurden.

Dabei liegt es nahe, das Thema der städtischen Oberflächen in denGesamtkontext der empirisch- ethnografischen Stadtforschung ein-zubetten, die das Gehen in der Stadt sehr prominent bearbeitet hat.12Eine Vielzahl von Studien beschäftigt sich vor allem in( auto-) ethno-grafischer Perspektive mit Bewegungs- und Erfahrungsformen unddem gelebten sozialen Raum der Straße, mit der Kommunikation imund über den Raum und in konstruktivistischer Perspektive mit derHerstellung von Raum und Raumbezügen durch das Handeln und

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gerlichen Praktik 1780-1850. Wien, Köln, Weimar 1996.

Zur Instrumentalisierung und historischen Überformung des Begriffs>> Urbani-tät<< vgl. auch Beate Binder: Urbanität als» moving metaphor«. Aspekte der Stadt-entwicklungsdebatte in den 1960er/ 1970er Jahren. In: Von Saldern( wie Anm. 3),S. 45-63.

Als Klassiker ist hier natürlich zu nennen Michel de Certeau: Gehen in derStadt. In: Ders.: Kunst des Handelns. Berlin 1988, S. 179–208. Aktuell dazu dasSchwerpunktheft» Straße«: Christoph Laimer( Hg.): dérive 50, 2013, das sichallerdings weitestgehend nur mit der Konfrontation zwischen Fußgängerbereichund Autostraße bzw. dem Bürgersteig beschäftigt, das Thema Fußgängerzoneaber ausspart.

13 Vgl. dazu u.a. Maria Elisabeth Hiebsch, Fritz Schlüter, Judith Willkomm: Sen-sing the Street. Eine sinnliche Ethnografie der Großstadt. In: Sanda Maria Ge-