Landauer Pflaster- Geschichte( n).
KulturwissenschaftlichePerspektiven auf eineurbane Oberfläche
Sabine Kienitz
Ausgangspunkt meiner Überlegungen zu Begriff und Phänomen derurbanen Oberfläche ist der Gegenstand des städtischen Pflasters, dashier als materialisierter Teil der gebauten Stadt im Sinne einer anthropo-logy of the city auf seine symbolische Bedeutung hin befragt werden soll.Mit seiner spezifischen Materialästhetik und Berührungsqualität wirddas Pflaster dabei nicht nur als diskursiv gerahmter¹, sondern vor allemals affektiv aufgeladener Erlebnis- und Handlungsraum in den Blickgenommen. Darauf aufbauend geht es um volkskundlich- kulturan-thropologische Fragen nach Wechselwirkungen zwischen Dingen undMenschen, nach der Begehbarkeit von Stadt sowie nach den konkre-ten>> Aneignungsbewegungen« ² der Akteure in diesem gebauten Raum.Im Zentrum der explorativ angelegten Fallstudie steht der Konflikt
1 Vgl. dazu die Thesen des Sprachwissenschaftlers Ingo Warnke, der sich in dis-kursanalytischer Perspektive u.a. mit der Schrift als einem urbanen Oberflä-chenphänomen beschäftigt. Ders.: Die Stadt als Kommunikationsraum undlinguistische Landschaft. In: Wilhelm Hofmann( Hg.): Die Stadt als Erfahrungs-raum der Politik. Beiträge zur kulturellen Konstruktion urbaner Politik. Münster2011, S. 343-363.
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Vgl. dazu den Ansatz des Kunstpädagogen Gert Selle, der das»> im Raum sein<<der menschlichen Akteure auf deren» Raum- Sinn« zurückführt, den er als>> Pro-dukt einer multisensorisch grundierten Entwicklung von Empfindsamkeiten ge-genüber dem umbauten Raum«< definiert, die sich sowohl auf physische als auchimmaterielle Dimensionen beziehen können. Dabei geht er von einer kulturellenÜberformung von Raum- Sinn und Raumerfahrung aus. Vgl. Ders.: Im Raumsein. Über Wahrnehmung von Architektur. In: Michael Hauskeller( Hg.): DieKunst der Wahrnehmung. Beiträge zu einer Philosophie der sinnlichen Erkennt-nis. Zug 2003, S. 261-279, hier S. 271 f. und 278.