Nikola Langreiter, Klara Löffler, Handarbeit( en).
näherungsweise, bild- und beispielhaft«< 23 vermitteln. Aber das Prob-lem liegt nicht nur in der Darstellbarkeit. Grundsätzlich bedeuten alleSchritte wissenschaftlichen Arbeitens Schritte der Besonderung vonPhänomenen, der mehr oder weniger systematischen und reflektiertenAuswahl und der Performanzen dieser Auswahl durch Schritte des em-pirischen wie des theoretischen Arbeitens. Dies gilt es in allen Phasenin Analysen einzubeziehen- insbesondere wenn die Forschung ihrenFokus auf Selbstverständlichkeiten legt. Diese, wenn man so will: Ein-schränkung des Forschens lässt sich aber auch» als Anstoß[ nutzen],die eigene Rolle im ethnografischen Prozess neu zu denken und dabeiauch die Übersteigerung, das Weitertreiben und die Inszenierung alsForm der wissenschaftlichen Annäherung und des Erkenntnisgewinnseinzubeziehen<<. 24
-
Wir sollten uns damit aussöhnen, dass wir mit unseren Forschun-gen vielfach an der Oberfläche bleiben, auch nicht selten oberflächlichsind. Ohnehin sollte es uns misstrauisch machen, wenn ForscherIn-nen von sich und ihren Forschungsgruppen behaupten, alle Tiefeneines Forschungsgegenstandes und Phänomens ausloten zu können.Eine Ehrenrettung der Oberfläche auch diese ließ sich in den letztenJahren beobachten- kann damit nicht verbunden sein. Vielmehr lässtsich die topologische Figur und lässt sich die Opposition zwischenOberfläche und Tiefe heuristisch wenden, um im Detail der jeweiligenForschungsarbeit nachzufragen, wie und wo wir uns gerade in diesenForschungen bewegen: in Hinblick auf die, um deren Alltage, Prak-tiken und Routinen es uns geht, aber auch in Hinblick auf die, derenAnerkennung wir mit unserem Forschen immer auch suchen.
23 Brigitta Schmidt- Lauber: Grenzen der Narratologie. Alltagskultur( forschung)jenseits des Erzählens. In: Dies., Thomas Hengartner( Hg.): Leben – Erzählen.Beiträge zur Erzähl- und Biographieforschung(= Lebensformen, 17). Berlin,Hamburg 2005, S. 145-162, hier S. 155.
24 Sonja Windmüller: Kultur Forschung, polyphon. In: Dies.: Beate Binder,Thomas Hengartner( Hg.): Kultur – Forschung. Zum Profil einer volkskundli-chen Kulturwissenschaft(= Studien zur Alltagskulturforschung, 6). Berlin 2009,S. 11-31, hier S. 24; vgl. dazu auch Gerd Dressel, Nikola Langreiter: Immerhinein Programm. Reflexivität in den Cultural Studies. In: Christina Lutter, LutzMusner( Hg.): Kulturstudien in Österreich. Wien 2003, S. 143–160.
173