Aufsatz in einer Zeitschrift 
Handarbeit(en) : über die feinen Abstufungen zwischen Oberflächlichkeit und Tiefsinn
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXVII/ 116, 2013, Heft 1+ 2

Wie sich aus dem Abstand von einem Jahr zeigt, haben sich dieVorzeichen, unter denen die Diskussion unter den AutorInnen stand,teilweise auch in meinen Perspektiven und in meiner Begrifflichkeitdurchgesetzt: Nicht das spielerische Ausprobieren, sondern die ernst-hafte, pflichtbewusste Zweckorientierung der Tätigkeiten prägen dasPortrait, obwohl in dem Erzählen von Albert Graf ebenso Momentedes kreativen Umgangs mit Dingen eine wichtige Rolle spielen. DieseSchieflage wurde mir erst im Vergleich und in der Diskussion mit Ni-kola Langreiter und deren Material bewusst.

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Nikola Langreiter: Kern meines Samples sind Interviews zum Sel-bermachen so genanntes traditionelles Handarbeiten und Werken isthier inkludiert gleichwie Formen des neuen DIY( radical crafting, graffitiknitting, Ikea hacking u. ä.). DIY ist ein Thema, das gesellschaftlich undin verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zum einen als trendy,zum anderen als oberflächlich angesehen wird. Das Material wurde imKontext einer im Entstehen befindlichen Qualifikationsarbeit( Habili-tation) gesammelt. Geführt habe ich diese Gespräche mit Frauen undMännern unterschiedlicher Altersgruppen in Wien, Tirol und Vor-arlberg. Ich greife auf diese Texte insgesamt zurück, stelle hier abernur ein Beispiel ausführlicher dar, nämlich das Interview mit HannaUlmer, einer Studentin Mitte 20. Sie ist eine eher sporadische, aberdennoch enthusiastische Handarbeiterin/ Bastlerin. Im Mittelpunktmeiner Analyse steht das Erzählen über das Selbermachen; zentral sinddie Praktiken der AkteurInnen sowie deren eigene Bewertungen. Insämtlichen der bislang geführten Interviews geht es in gewisser Weiseum Perfektion: Die Dinge, welche die SelbermacherInnen erzeugen,scheinen, wenn nicht perfekt, so zumindest besser als das, was auf denjeweils zugänglichen Märkten zu finden ist. Wird nicht selbst gemacht,geht es oft um ein Aufbessern, Verschönern und Adaptieren des Erhält-lichen, um die Dinge den eigenen Bedürfnissen anzunähern.

Im Zusammenhang: Perfektion und Improvisation

In der Praxis des DIY lässt sich kein Gegensatz zwischen Repa-rieren und Kreieren feststellen, die Tätigkeiten gehen ineinander überund die Grenzen von Perfektion und Improvisation sind fließend. Inder Praxis der Sprache jedoch, in Selbst- oder Fremdzuschreibungenscheinen>> Perfektion<« und» Improvisation«< in klarem Widerspruch zu