Aufsatz in einer Zeitschrift 
Real Life : Computerspielen zwischen Offline-Alltag und Online-Oberflächen
Seite
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Real Life. Computerspielenzwischen Offline- Alltag

und Online- Oberflächen

Christoph Bareither

» Ich habe meinen Sohn an das Internet verloren«<, lautete die Ein-blendung am unteren Bildschirmrand, als die Kamera auf den Vatereines World- of- Warcraft- Spielers schwenkte. Besagter Vater war imSeptember 2012 zu Gast in der Talkrunde von Günther Jauch und er-zählte davon, wie sein( bereits erwachsener) Sohn nach und nach derOnline- Spielsucht verfallen war und sich von seinen besorgten Elternzunehmend entfremdet hatte. Auf der Webseite einer von den Elterngegründeten Initiative gegen» Onlinerollenspielsucht«< lässt sich nach-lesen, dass der» begabte junge Mensch[...] innerhalb von nicht einmalzwei Jahren zu einem vom realen Leben weitestgehend abgekoppeltenMenschen mutiert«< war->> erst am Mittag wurde aufgestanden, umdann am Nachmittag, am Abend und die Nacht hindurch bis in diefrühen Morgenstunden das virtuelle Leben in World of Warcraft zubestehen.<< Die Geschichte hatte zwar ein gutes Ende, da der besagteSohn schließlich aus eigener Kraft» ins Leben zurück gefunden hat«,doch die Initiative blieb trotzdem bestehen, denn:» Wir wollen errei-chen, dass, was so unvorstellbar klingt, niemand mehr in der virtuellenWelt( in einem Computer!!!!) abhanden kommt.<< ³

Solche Formulierungen sind keine Einzelfälle, sondern Bestandteileines Diskurses, der das öffentliche Bild vom Alltag des Online- Com-puterspielens entscheidend prägt. Das Phänomen der exzessiven Nut-zung von Online- Computerspielen ist durchaus existent und betrifft

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Vgl. http://daserste.ndr.de/guentherjauch/rueckblick/digitaledemenz103.html( Zugriff: 16.12.2012).

http://www.rollenspielsucht.de/( Zugriff: 16.12.2012).

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Ebd.