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Vom Stil der Oberfläche : historische Flächenrelationen der Alltags-, Konsum- und Popkulturen
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Vom Stil der Oberfläche.

Historische Flächenrelationen derAlltags-, Konsum- und Popkulturen.

Elke Gaugele

Als>> Kopernikanische Wende« der ästhetischen Theorie charakteri-sierte der Literaturwissenschaftler Hans- Georg von Arburg den Wan-del hin zu kunst- und kulturwissenschaftlichen Betrachtungen undAnalysen von Oberflächenäußerungen in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts. Oberfläche ist dabei als ein Relationsbegriff zu verste-hen, der Spannungen erzeugt und nicht ohne Widerpart auskommt.²Als Gegenposition zu den Tiefenepistemen der Moderne rückten mitder Oberfläche als theoriegeleitetem Motiv perspektivisch nicht nurÄußerlichkeiten, sondern auch Objekte der modernen Alltagskulturund deren kulturelle Felder ins Zentrum.³ Symbolische Bedeutungenwurden infolge dessen auf der Oberfläche untersucht, während diekonstruktiven Formen von Objekten dann lediglich als Trägerfolienfür die Sinnbilder angesehen wurden. Die Oberfläche wurde, so vonArburg, in der Moderne zum Medium der kontingenten Realität. Fürden Verlauf der späteren Moderne wiederum diagnostizierte FredricJameson erneut die Konjunktur einer neuen Flachheit. Tiefe werde inder Postmoderne durch Oberfläche bzw. eine Vielzahl an Oberflächenersetzt. Diese neue Oberflächlichkeit mit ihrer Dekonstruktion desAusdrucks sei, so Jameson, im wortwörtlichen Sinne ein konstitutives

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Hans- Georg von Arburg: Kleider( bau) Kunst. Die Grundlegung einer Ästhetikder Oberfläche in der Mode bei Gottfried Semper( 1803–1879). In: Plurale. Zeit-schrift für Denkversionen: Oberflächen H. 0, 2001, S. 49-71, hier S. 60.Vgl. ebd., S. 50.

2

3

Vgl. ebd., S. 58.

4

Vgl. Hans- Georg von Arburg: Alles Fassade.> Oberfläche< in der deutschsprachi-gen Architektur- und Literaturästhetik 1770-1870. München 2008, S. 418.