44 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXVII/ 116, 2013, Heft 1+ 2
differenziert sichtbar macht. Sie modelliert die Körperlichkeit.24 Mitdem Semiotiker Umberto Eco erzwingt sie gar eine spezifische Körper-haltung und produziert somit Körpergefühle. 25 Diese Korrespondenzgeht über die Annahme der Oberfläche als Modus der Darstellung undals Symptom26 hinaus und verweist auf die enge, zuweilen kaum mitder Lupe zu differenzierende Verschränkung von Sein und Schein. Dievielzitierte Metapher des Ethnologen Clifford Geertz, Kultur als Ge-webe zu begreifen, 27 offenbart im wörtlichen Verständnis einer texti-len Flächengestaltung, dass in rhythmischer Wiederholung der untereFaden an die Oberfläche geführt wird. Die Gewebe- Metapher mit malunten, mal oben liegenden Fäden demonstriert weniger das Verwoben-sein der Oberflächenphänomene mit ihrem Grund, als vielmehr Ver-flechtungen, die ineinander aufgehen.
Revidiert wird in der aktuellen Diskussion zugleich die zeitlichePerspektive, die Orientierung an der Oberfläche sei für die Postmo-derne charakteristisch. Deutlich herausgearbeitet wird dagegen, dassnicht nur das Ende, sondern gerade auch der Anfang des 20. Jahr-hunderts durch eine intensive Ausrichtung an der Oberfläche gekenn-zeichnet ist. 28 Die Literatur- und Medienwissenschaftlerin Anne Fleigmacht die Medienumbrüche am Anfang und am Ende des 20. Jahrhun-
24 Vgl. Gabriele Mentges: Kleidung als Technik und Strategie am Körper. Eine Kul-turanthropologie von Körper, Geschlecht und Kleidung. In: André Holensteinu.a.( Hg.): Zweite Haut. Zur Kulturgeschichte der Kleidung(= Berner Universi-tätsschriften, 54). Bern u.a. 2010, S. 15-42, hier S. 18.
25 Vgl. Umberto Eco: Das Lendendenken. In: Wolkenkratzer 4, September- Okto-ber 1986, S. 74-75.
26 Vgl. Scharfe( wie Anm. 23), S. 152.
27
Clifford Geertz: Dichte Beschreibung. Bemerkungen zu einer deutenden Theo-rie von Kultur. In: Ders.: Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kulturel-ler Systeme. Frankfurt a. M. 1987, S. 7-43, hier S. 9.
28 Vgl. Isabelle Stauffer, Ursula von Keitz: Lob der Oberfläche. Eine Einleitung. In:Von Arburg u.a.( Hg.)( wie Anm. 3), hier S. 16; zur frühen Spielform des litera-rischen Markenarchivismus vgl. Björn Weyand:» Ein paar Kapitel von der Ober-fläche<<. Markenkonsum und Katalogpoetik in Edmund Edels Satire> Berlin W.<( 1906). In: Heinz Drügh, Christian Metz, Björn Weyand( Hg.): Warenästhetik.Neue Perspektiven auf Konsum, Kultur und Kunst. Berlin 2011, S. 248-268, bes.S. 252-254.