Die Oberfläche der Kultur?
Gudrun M. König
Die VeranstalterInnen haben mir die Frage gestellt, ob die materielleKultur selbst als Oberfläche des Kulturellen verstanden werden kann.Die Leitidee meiner Ausführungen ist daher, über disziplinäre Kon-zepte der Oberfläche nachzudenken. Betrachte ich die Oberfläche alsGegenstand des Faches, dann drängt sich die Beschäftigung mit dermateriellen Kultur auf. Blicke ich auf benachbarte Disziplinen wieLiteratur- und Medienwissenschaft, dann ist anzunehmen, dass dieOberfläche der Kultur mehr erfasst als die Oberfläche der Dinge.
Aktuell lässt sich konstatieren, dass der material turn auf das Fachzurückwirkt und Kräfte der Kohäsion entwickelt.' Die RegensburgerTagung Umgang mit Sachen( 1981) gilt als disziplinärer Fluchtpunkt fürdie wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der materiellen Kultur.Eigentlich bedeutete die Tagung jedoch ein Abschied von den Dingen,denn sie plädierte entschieden, von den Dingen weg zu den Kontextenhin zu denken. Das war damals ein notwendiger Schritt. Seither ebbendie Diskussionen jedoch nicht ab, welche Rolle denn nun die Sachen inder kulturanthropologischen Forschung spielen. Die Perspektive aufdie Oberfläche zwingt uns daher einerseits an die Dinge zurück, an-dererseits sind die Wissenschaften in der Konzeption der Oberflächestark, die sich mit der Poetik und Ästhetik beschäftigen und dies nichtunmittelbar an den Dingen, sondern an textuellen und visuellen Re-präsentationen festmachen.
Drei Denkbewegungen umkreisen im Folgenden Begriff und Sa-che der Oberfläche. Zunächst geht es um die Präsenz der Dinge, diesicht-, greif- und fühlbar an der Oberfläche wahrgenommen werden;sodann werden das Material und schließlich die Ästhetik der Oberflä-che erkundet.
1 Vgl. Kongressthema der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde: Materialisie-rung von Kultur. Diskurse Dinge Praktiken. Nürnberg, 25.- 28. September 2013.