Jahrgang 
116 (2013) / N.S. 67
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Editorial

Die vorliegende Österreichische Zeitschrift für Volkskunde verdient inzweierlei Hinsicht eine Vorbemerkung.

Auf organisatorischer Ebene dokumentiert sie eine Veränderungim Herausgebergremium: Gemeinsam mit Margot Schindler undKonrad Köstlin als langjährige Herausgeber zeichnen nun auch dieVorstände bzw. Leiter der drei Universitätsinstitute in Österreich mit-verantwortlich für das Erscheinen der Zeitschrift.

Inhaltlich stellt diese Doppelnummer insofern eine Ausnahmedar, als in ihr die Referate der 2012 in Innsbruck stattgefundenen dgv-Hochschultagung» Äußerungen. Die Oberfläche als Gegenstand undPerspektive der Europäischen Ethnologie«< publiziert sind und dasHeft so auch als Tagungsband zu verstehen ist( dessen Beiträge deshalbdem nun schon eingebürgerten Peer- Review- Verfahren nicht unterzo-gen worden sind). Den Verantwortlichen der Tagung sowie allen Auto-rinnen und Autoren sei für die angenehme Zusammenarbeit gedankt.

Im Weiteren ist für diese Nummer die Auseinandersetzung mitVergessen, Verdrängen, Verschweigen und Erinnern signifikant:

Zum einen wurde am 1. März 2013 im Beisein von Nachfahren derfür das Museum für Volkskunde tätigen Ethnologin Eugenie Gold-stern( 1884-1942) eine Gedenktafel des Vereins für Volkskunde zurErinnerung an seine jüdischen Freundinnen und Freunde, Gönnerin-nen und Gönner enthüllt. Die dabei gehaltenen Ansprachen sind demVerlauf der Enthüllungsfeier folgend publiziert.

Mit der Gedenktafel an der Außenfassade des Hauses Laudon-gasse 15-19 stellt sich der Verein für Volkskunde dem institutionellenVergessen und der Herausforderung des Erinnerns. Dass die Formenvon Erinnerung vielfältig sind, davon zeugt- zum anderen- ein texti-les Objekt, das jüngst in die Sammlungen des Museums aufgenommenwurde und in dieser Nummer vorgestellt und in seiner Deutlichkeitauch abgebildet ist. Nach der politischen Zäsur von 1945 waren indi-viduelle Erinnerung und das Familiengedächtnis mitunter stärker alsdie Absage an das NS- Regime bzw. die Auseinandersetzung mit dempolitischen und moralischen Versagen. Auch davon soll ein kulturhis-torisches Museum erzählen, das die Aufgabe hat, das kulturelle Ge-dächtnis zu sammeln und zu erforschen.