Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
573
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2000, Heft 4

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SOKAL, Alan, BRICMONT, Jean: Eleganter Unsinn. Wie die Denker derPostmoderne die Wissenschaften mißbrauchen. München, Verlag C. H.Beck, 1999, 350 Seiten.

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Wenn man wirklich das Gefühl hat ,, Ach, es ist zu mühsam, sich mit echtenProblemen zu befassen, gibt es allerlei Möglichkeiten, das zu umgehen.Eine davon ist, sich in belanglose Phantasieprojekte zu stürzen. Eine anderebesteht darin, sich akademischen Kulten zuzuwenden, die mit der Wirklich-keit so gut wie nichts mehr zu tun haben und einen guten Schutz davorbieten, sich mit der Welt so auseinandersetzen zu müssen, wie sie wirklichist."

Unter anderem diesen Satz des Linguisten Noam Chomsky( S. 250)ziehen die beiden Autoren heran, wenn sie sich in diesem Buch kritisch mitetlichen bekannten Proponenten jener ,, Postmoderne" auseinandersetzen,die im Umfeld der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften heute einfester und nicht zuletzt von diesen Denkern geprägter Begriff zu seinscheint. Die Kritik richtet sich, da die Verfasser im Bereich von Mathematikund Physik tätig sind, lediglich auf Äußerungen dazu sowie zu Grundpro-blemen der Wissenschaftstheorie. Es erübrigt sich, hier auf die Argumenta-tion gegen derlei pseudonaturwissenschaftliche Aussagen einzugehen, weilsie für Ungeschulte kaum nachvollziehbar ist; etliche ,, Grundaussagen"hingegen besitzen allgemeine Gültigkeit, somit auch für die Kulturwissen-schaften: etwa zur gesellschaftlichen Verantwortung von Wissenschaft, zurgegenwärtigen Sprach- und Begriffs( un) kultur( ,, Nicht alles, was unver-ständlich ist, hat zwangsläufig auch Tiefgang", S. 233; ,,... stehen zahlreicheTexte, die voll von wissenschaftlichen Begriffen, aber völlig inhaltsleersind", S. 22), zur Wissenschafts- und Autoritätsgläubigkeit, zum Nutzen undBenutzen akademischer Netzwerke und dem gegenseitigen Hofieren ihrer,, Angehörigen( Man kann seinen Kollegen nie genug schmeicheln,schreibt der ehemalige Universitätslehrer und Schriftsteller David Lodge inseiner Universitäts- Satire ,, Schnitzeljagd"). Speziell auf ein gegenwärtig inden Sozial- und Geisteswissenschaften zu beobachtendes Phänomen gehenSokal und Bricmont ein: Die Übernahme und Verwendung von naturwissen-schaftlichen Termini ohne ausreichende Kenntnis von deren originärer Be-deutung, auch ohne inhaltliche Notwendigkeit( ,, Einige der Autoren lassensich zwar wahrhaft berauschen von Worten, deren Bedeutungen sind ihnenaber zugleich ganz und gar gleichgültig, S. 21; um ihren eigenenDiskursen den Anstrich der Exaktheit zu geben, S. 21) lediglich, wie die

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