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Literatur der Volkskunde
ÖZV LIV/ 103
der Ökonomien und der Kulturalisierung und Ästhetisierung der Industria-lisierungserfahrung. War ursprünglich, auf der Londoner Weltausstellung1851 etwa, die Idee von einer Weltgemeinschaft im Vordergrund gestandenund war dort zunächst geplant, Waren nach Produktklassen zu präsentieren,so kam es schon im Vorfeld dieser Weltausstellung zu Interventionen betei-ligter Staaten, die eine Ordnung nach nationaler Herkunft einforderten. Sowar denn auch der Auftritt der Habsburgermonarchie auf dieser Weltausstel-lung daran orientiert, systematisch alle Regionen zu erfassen und sie anhandtypischer Produktionszweige zu repräsentieren und damit ein möglichstvollständiges ,, Inventar der österreichischen Volkswirtschaft“( S. 23) zuerstellen. Ein Prototyp solcher Inventarisierung existierte ja bereits mit demBücherschrank von Carl Leistler, einer sozusagen monumentalen Möbel-wand mit Laden und Regalen, mit Büchern und Mappen zur österreichischenGeschichte und Kultur, die als kaiserliches Geschenk der englischen QueenVictoria zugeeignet worden war( S. 26–29).
Die Ausstellungskonzepte der einzelnen Teilnehmerländer, anfangs nochin Händen einzelner Unternehmer, wurden zunehmend, so betonen dieAutorInnen, vom Staat, genauer gesagt: von konkurrierenden, staatstragen-den Gruppen bestimmt. Anläßlich der Beteiligung Österreichs auf der Pari-ser Weltausstellung 1855 engagierte sich auch und gerade das Ministeriumfür Cultus und Unterricht; zumal im Hinblick auf diese Weltausstellungwurde eine rege Geschmacks- und Stildiskussion geführt, wurden Bildungs-offensiven skizziert, die auch einem breiteren Publikum kunsthandwerkli-che Traditionen und Qualitäten nahe bringen sollten. Damit verlagerten sichdie Gewichte der Präsentation. Die gezeigten Waren und deren Produktionwurden kontextualisiert: ,, Nicht mehr das Industrieerzeugnis an sich undseine technischen und künstlerischen Eigenschaften, sondern die zu Grundeliegenden Kontexte kultureller Tradition, geographischer Voraussetzungenund öffentlicher Institutionen mussten berücksichtigt werden, um über Po-tentiale und Entwicklungsfähigkeit einer Region Auskunft zu geben unddiese in den Modernisierungsdiskurs einbinden zu können.“( S. 38).
Mit der Pariser Weltausstellung 1867 und dem sogenannten österreichi-schen Dorf wurde deutlich, dass es immer mehr auch um die Inventarisie-rung dessen ging, was, durch die Industrialisierung bedingt, zu verschwin-den drohte. Man war bemüht, die besondere Qualität etwa von Erzeugnissenländlicher oder kleingewerblicher Handarbeit als Produktkultur von ganzeigenem Wert auszustellen. So war ein( später etwas reduziertes) Ensemblegeplant, zu dem eine Bierhalle gehörte, eine Wiener Bäckerei, eine ungari-sche Csarda, ein Oberösterreicherhaus, ein Tirolerhaus, eine Glasschleifereiaus dem Riesengebirge und vieles andere mehr( S. 51). Eine solche Präsen-tation insbesondere peripherer und agrarisch strukturierter Regionen, so die