Jahrgang 
103 (2000) / N.S. 54
Seite
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Literatur der Volkskunde

ÖZV LIV/ 103

Narodna Umjetnost. Croatian Journal of Ethnology and Folklore Re-search 36/1( Zagreb 1999), 289 Seiten, mehrere Verbreitungskarten undMusiknoten; 36/2( Zagreb 1999), 189 Seiten, mehrere Musiknoten, mehrereAbb.

Das erste Jahresheft des traditionsreichen kroatischen Volkskunde- Organsfür 1999 ist einem Kongreß gewidmet, der sich um den mediterranen AspektKroatiens bemüht, geographisch vertreten durch den dalmatinischen Kü-stenstreifen, ideologisch durch literarische Meeressehnsucht und die politi-sche Abwendung vom, Balkan und Antworten auf die Frage zu gebenversucht, warum Kroatien immer nur in den balkanologischen Kontexteingereiht wurde und wird, im mediterranen aber kaum eine Rolle spielt.Der Kongreẞ ,, Where Does the Mediterranean Begin? Mediterranean An-thropology from Local Perspectives" wurde im Oktober 1999 in Zagreb, amInstitut für Ethnologie und Folklore zu seinem 50jährigen Jubiläum abge-halten und stellte sich folgendes Ziel: ,, The conference proposed to evaluatethe state of art in Mediterranean ethnological, anthropological, folkloristicand ethnomusicological research in Croatia. The Mediterranean as a distinctcultural area within Croatia has been subject to quite an extensive scholarlytreatment by local researchers. The discourse on the Mediterranean did notremain strictly part of academic circles, but became part of political strugg-les and representations of national identity in various time periods. Thatdevelopment has especially been noticeable in the 1990s, when the Medi-terranean has been used as a political and cultural demarcations vis- à- vis theBalkan other." Tatsächlich erscheint Kroatien in den anthropologischenÜbersichtstudien zur méditerranéité, die es seit den 50er Jahren in Frank-reich, England und den USA gibt, kaum. Die Einzelbeiträge suggerierenzwar einen übergreifenden mediterranen Bereich, die meisten sind aller-dings ausschließlich Kroatien gewidmet und differenzieren die propagierteSichtweise.

Joyão Leal ,,, Mapping Mediterranean Portugal: Pastoral and Counter- Pa-storal( S. 9 ff.) analysiert die ideologischen Hintergründe der Sichtweiseneinzelner portugiesischer Ethnologen/ Anthropologen, Jasna Čapo Žmegač,,, Ethnology, Mediterranean Studies and Political Reticence in Croatia. FromMediterranean Constructs to Nation- Building"( S. 33 ff.) exemplifizierteine ähnliche Fragestellung für Kroatien unter dem Aspekt der jüngstenNationsbildung, für deren Selbstverständnis das Mediterrane, in Absetzungvom ,, Balkanischen eine bedeutende Rolle spielt; analytisch wird auf dieKonstruktionen von Milovan Gavazzi, Vera Stein Ehrlich, Marijana undBranimir Gušić sowie die jüngsten Entwicklungen eingegangen. HenkDiessen( Nijmwegen) ,,, Pre- and Post- Braudelian Conceptions of the Me-